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Politik

Gegen das Vergessen:Birkenfelder Schüler reisen zum Schauplatz der größten Schlacht des 1.Weltkrieges

Bild: Die Schulklasse von Markus Speer in Verdun

Die Schulklasse von Markus Speer in Verdun

Mit einem Projekt haben sich Schüler aus Birkenfeld gegen das Vergessen der Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts gewehrt. Sie sind zu Schauplätzen der berüchtigten Verdun-Schlacht gereist.
Der 1. Weltkrieg gerät so langsam ins Vergessen, denn er ist jetzt bald 100 Jahre her und fast kein Zeitzeuge dieses Ereignisses lebt mehr und kann davon aus eigenem Erleben berichten, anders als vom 2. Weltkrieg. Dieses Ereignis dem Vergessen zu entreissen, hat sich der Pforzheimer Geschichtslehrer und Historiker Markus Speer zu Eigen gemacht. Zusammen mit neunten Klassen aus der Realschule Birkenfeld, macht er sich seit fünf Jahren regelmäßig auf den Weg nach Verdun. Unterstützt wird er dabei von der Schulleitung und zahlreichen Kollegen aus der Schule. Zusammen mit Pierre Lenhard, einem führenden Mitglied der Deutsch Französischen Forschungsgesellschaft Verdun (DFFV) erläutert er den Schülern und Kollegen, jährlich, die Vorkommnisse um die Ausblutungsschlacht des Jahres 1916. Im Vorfeld werden die Schüler durch ihn über geschichtliche Fakten des 1.Weltkrieges informiert. Viel Bild- und Filmmaterial von damals und heute zeigen das Leben und Leiden der Soldaten, zahlreicher Nationen. Auch kommt das Buch in “Stahlgewittern” von Ernst Jünger zur Vorstellung, das den Grabenkriegì glorifiziert. Im Anschluss daran machen sich regelmäßig Klassen von der LUS auf den Weg nach Verdun, dieses Jahr begleitet von den Kollegen Zettelmeier, Langenbein, Probst und Tanzer. Die Route führte dieses Mal vom Fort Douaumont zum Beinhaus und anschlie?end zu dem Dorf Fleury, das schon im Film "Im Westen nichts Neues" traurige Berühmtheit erlangt hat. Diese ganze Bildungsreise endete in Aragonner Wald, im Höhlensystem von Vauquois. Die Bergkuppe von Vauqouis zierte bis 1914 ein malerisches Bauerndorf. Dann kämpften Deutsche und Franzosen vier Jahre lang erbittert um den Besitz des strategisch wichtigen Aussichtspunktes. Von dort aus hätte man nämlich die Bahnstrecke Verdun-Paris blockieren können. Nachdem das Dorf gesprengt wurde, begann der Minenkrieg. Er dauerte fast drei Jahre. Mit mehr als 600 Sprengungen versuchten sich beide Seiten vom Berg herunter zu sprengen. Als dies nicht gelang, richtete sich jede Seite unter Tage ein. Es wurden Stollen bis zu einer Tiefe von 65 Meter angelegt. Auf deutscher Seite entstand im Berg eine Sprudelfabrik, ein Lazarett und eine unterirdische Kaserne. Gegen Kriegsende wollten die Deutschen den Hügel mit mehr als 10 000 Tonnen Sprengstoff sprengen, ein rasches Vorstoßen der Amerikaner, bei denen damals die Herren Truman und Patton mit von der Partie waren, bereitete diesem Vorhaben ein rasches Ende. Erst seit 12 Jahren gräbt die Gruppe um Pierre Lenhard in diesem Gebiet und stößt immer wieder auf erschreckendes. So wurden auf deutscher Seite im letzten Jahr die Überreste von 25 Soldaten gefunden, von denen drei anhand ihrer Erkennungsmarken identifiziert wurden. Die restlichen Überreste kamen ins Beinhaus, zu den anderen 130 000 nicht zu identifizierenden Soldaten. All dies verfehlte den Eindruck auf den überwiegenden Teil der Schülerschaft nicht und lässt hoffen, dass die Parole “Nie wieder Krieg !” nicht nur ein Lippenbekenntnis in Europa bleibt.

06.08.2012

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