Rubrikübersicht | Impressum | 06. Juli 2022


Politik

Das NPD - Wahlkampfdesaster in Pforzheim und Karlsruhe

Bild: Polizisten bauen ab..

Polizisten bauen ab..

 Lautstarker und bunter Protest gegen die Hetze der NPD

 

Wohl dreihundert Polizistinnen und Polizisten verteilten sich zwischen dem Pforzheimer Hauptbahnhof und dem Waisenhausplatz zwischen dem Congress Centrum Pforzheim und dem Theater. Meist in sechser Grüppchen postierten sie sich an allen vergitterten Zugangsmöglichkeiten zum Schutz der NPD - Wahlkämpfer vor den Gegendemonstranten. Die Initiative gegen Rechts mobilisierte kurzer Hand nach dem Bekanntwerden der Termin Verlegung von Donnerstag auf Mittwoch den 28.08. ihre Mitglieder.


Ab 12:00 Uhr gab es für die mehr oder weniger zufälligen Spaziergänger Platzverweise.

12:30 Uhr waren neben den bunten, jungen mit Transparenten ausgestatteten Protestierer _innen, die Vereinigung der Verfolgten des Nazi Regimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), Stadträte von 'Wir in Pforzheim', 'Die Linke', der 'Grünen Liste' und die Bundestagskandidaten Memet Kilic (Bündnis '90 / Die Grünen) und Milan Kopriva (Die Linke) anwesend. Die Transparente hingen für die Polizei und ihre scheinbar schutzbedürftigen, rechtsradikalen Hetzer deutlich lesbar an den Gittern. 12:45 Uhr traf der NPD - LKW - den sie 'Flaggschiff' nennen - unter Trillerpfeifenlärm, Buhrufen und lautstarken 'Nazis raus' Rufen ein. Die Hetzer rechtsradikaler Parolen stellten ihre, vom Steuerzahler bezahlte, Lautsprecheranlage auf, aus denen sogleich Hassmusik erklang, die jedoch von den ca. 100 Gegendemonstranten mit lautstarkem Lärm beantwortet wurde. 13:55 Uhr begann dann das - der NPD eigene - Gehetze, doch waren nur einzelne Begriffe zu verstehen: 'Asylantenflut', 'Asylschmarotzer' und (hört, hört ?) 'Antikapitalismus', wo doch gerade die Nazis mit ihrem Feindbild und ihrer 'Vernichtung durch Arbeit' in ihren Konzentrationslagern dem Kapitalismus huldigten.

Mich erinnerten diese Wortfetzen an Originalreden von vor rund 80 Jahren, die ich zwangsläufig im mehr oder weniger aufklärenden Geschichtsunterricht vernahm.

Doch der Lärm gegen die Hass-Triaden war gottlob so groß, dass die beiden Reden von Jan Jaeschke (NPD Kreisvorsitzende Rhein / Neckar) und Holger Apfel (NPD Bundesvorsitzender) untergingen. Die 12 bis 15 NPDler hatten keine Chance gehört zu werden, so lichten sie die Protestierenden ebenso ab wie die anwesende Presse. 13:50 Uhr luden sie ihre Lautsprecheranlage ein - unter lautstarken 'Nazis raus' Rufen - fuhren sie in Richtung Karlsruhe ab, um die Karlsruher_innen gegen 16:00 Uhr auf dem Gutenbergplatz in der Weststadt heim zu suchen.

Karlsruhe 15:00 Uhr, einige Dutzend Demonstranten und Promenierende genießen die Sonne, den imposanten Brunnen, die Straßencafés und den Schatten. Auf dem eingezäunten Platz, der für die NPDler vorgesehen war, bemühte sich ein Abschleppwagen, die scheinbar unzulässig geparkten Fahrzeuge an einen anderen Ort zu bringen. Im Schatten war ein Info Stand der Grünen mit allerlei Utensilien zu sehen: Aufkleber, Infoflyer, Ohropax, Watte und Trillerpfeifen. Eine Dame der Grünen KA outet sich als Anmelderin einer 'Mahnwache', „die in letzten Minute genehmigt wurde". Wow, wie bunt es hier ist - die Sonne scheint; es herrscht gute Laune; phantasievoller ist hier das Ambiente, derer, die die Volksverhetzung nicht hören wollen; lebendige, rhythmische Musik ist auf der Seite der wartenden Protestler _innen zu hören; Trommeln, Töpfe, Kochlöffel, Purim Rasseln in Plastik und aus Holz; eine Leine wurde gespannt auf ihr hing ein Transparente und die Fahne des VVN-BdA; auf einem Sandwich war 'Kein Bleiberecht für Nazis und Rassisten' zu lesen; Trillerpfeifen wurden Tüten weise verschenkt; auf sehr vielen Din A 4 Plakaten stand der Schriftzug 'Kein Platz für Nazis'; sie zierten nicht nur Dekolletees und Revers, nein sie wurden den NPDlern entgegengehalten; selbst ein Hund ließ sich widerstandslos damit schmücken; vereinzelte Fahnen des DGB waren zu sehen - auch die SPD war anwesend nebst ihres Bundestagskandidaten Parsa Mariv; Karin Binder (Die Linke) wurde erwartet.

Die Stimmung lässt sich als sommerliche Party Atmosphäre beschreiben bis um 16:10 Uhr der LKW des hetzenden rechtsradikalen Mobs auf dem Platz erschien. Der Lärm ist groß, die 'Nazis raus' Rufe im Chor mächtig. Standardisiert verläuft das Procedere der NPDler nur in Anbetracht der Übermacht ihrer Gegner_innen hängen sie ihre Fahne im LKW auf. Die Protestrufe sind hier bedeutend vielfältiger und ausdauernder; sie werden von einer Musikanlage unterstützt - well done, gute Idee -. Auffällig viele Seniorinnen und Senioren waren anwesend; eine Dame unter ihnen bemerkte, dass sie Auschwitz Überlebende ist.

Fast ist der Spuk der Nazis vorbei, als ein zum Deeskalationsteam der Polizei gehörender Mann eine Demonstrantin provozierte: Ob sie wisse wie hässlich sie sei, wenn sie so laut schreie und was ihre Kinder davon hielten, wenn sie den Film sähen. Sie fragte nur nach, ob er sie gefilmt habe, er bekundete: „ Ich nicht ...".

 

Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren."

(Theodor Wiesengrund Adorno)

( Fnie)

Quellen / weitere Informationen:

Theodor W. Adorno: 'Minima Moralia', Aph. 122;

 

 

 

 

 

 

 

 

 

02.09.2013

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