Rubrikübersicht | Impressum | 20. August 2022


Kultur

Sand im Getriebe 59: Vorwort

Inmitten einer Welt in Turbulenzen spielt sich vor unseren Augen ein
Schauspiel ab. Da treffen sich die Führer der reichsten und mächtigsten
Staaten der Welt und versuchen, ihre zerfallende Allianz zusammen zu
halten. G1 hat den Irak-Krieg verloren und sieht sich überall auf der
Welt einer Flut von antihegemonialen Strömungen gegenüber.

Die G7 -
untereinander heftig zerstritten – klagen bitterlich darüber, dass sich
Russland nicht mehr herumkommandieren lässt. Im Rest der Welt bilden
sich neue, auch widerständige Pole und Modelle. Die ökonomischen
Gewichte verschieben sich, politischen Allianzen werden neu
ausgehandelt. Die „Altermondialisten“, unsere Bewegungen für eine andere
Globalisierung, sind dabei, die neoliberale Ideologie des „der Markt
soll’s richten“ zu delegitimieren. Die imperiale Rechtfertigung
militärischer Gewalt wird brüchig, aus allen Himmelsrichtungen erschallt
der Ruf: „Kriege beenden statt Kriege vorbereiten“.
Die Welt ist in Aufruhr. „Es scheint, dass die Epoche nach dem Kalten
Krieg sehr kurz gewesen ist. Nicht einmal zwei Jahrzehnte nach dem das
Ende der Geschichte verkündet wurde, erleben wir eine enorme
Beschleunigung der Geschichte. Ein tiefer historischer Einschnitt
kündigt sich an. Ein halbes Jahrtausend hat der Westen – zuerst Spanien
und Portugal, dann England und zuletzt die USA - die Welt beherrscht.
Diese Position wird nun durch die Newcomer ernsthaft in Frage
gestellt.“(Peter Wahl).
Die G8 sind längst keine heimliche Weltregierung mehr, sondern eher eine
Gruppe mächtigen Konkurrenten, die in einem grandiosen Schaulaufen die
Risse und Widersprüche in ihrem eigenen Laden übertünchen wollen und die
sich vor den Herausforderungen durch den globalen Süden die Augen
reiben. Sie sehen sich einem Zangengriff gegenüber: einerseits den neu
entstehenden ökonomischen und politischen Polen, und andererseits der
Massenbewegung von unten, die ihre Herrschaft und die Strukturen des
Weltmarktes prinzipiell in Frage stellen. „Jenseits von G8, Regierungen,
Gipfeln und internationalen Institutionen gibt es die tausenden
Organisationen – NRO, Gewerkschaften, Vereine und Kollektive –, die
zusammen die internationale antikapitalistische, antiimperialistische,
Antikriegs- und antineoliberale Bewegung für soziale Gerechtigkeit
bilden: die „Bewegung der Bewegungen“. Mehr als jede Regierung fordern
diese sozialen Kräfte die Macht und das „Große Geld“ heraus.“ (Nicola
Bullard)
Während im globalen Süden der Trend zur Privatisierung umgekehrt wird
und Länder wie Venezuela oder Bolivien wieder die Kontrolle über ihre
Ressourcen übernehmen, befinden sich die mächtigen Konkurrenten der G8
in einem heftigen neuen Wettlauf um die Rohstoffe der Welt: „Trotz all
des Geredes über Globalisierung und Primat der Ökonomie setzen Industrie
und Politik dabei auf Gewalt und Macht des Staatsapparates und
demonstrieren so - noch weit unterhalb der Schwelle militärischer
Einsätze -, wie wenig friedlich der freie Welthandel ist“ (Anna Blume
und Stefan Kaufmann). Dieser Wettlauf steckt auch hinter dem neuen
Interesse der G8 an Afrika. Roland Süß und David Cronin entlarven die
miesen Buchhaltertricks, mit denen die G8 ihre „Hilfe“ für Afrika und
die ärmsten Ländern der Welt schön rechnen.
Derweil droht neues Unheil aus den Industriestaaten, die ihre
Abhängigkeit vom Erdöl verringern wollen, ohne ihren Lebensstil zu
ändern. Fidel Castro hält es für eine „verhängnisvolle Idee, aus
Nahrungsmitteln Treibstoff herzustellen“ und warnt vor dem Wettbewerb um
Nahrung zwischen Autos und Menschen. George Monbiot fordert ein
fünfjähriges Moratorium für Biokraftstoffe.
Nach dem Rechtsruck in Frankreich lecken sich Attac-F und die Linke die
Wunden. Die Wahl Nicolas Sárkozys “bedeutet in erster Linie den Sieg
einer harten und hemmungslosen Rechten, der es gelungen ist, in der
Bevölkerung - einschließlich gewisser Teile der ärmeren Schichten -
Ideen zu verbreiten, die vor allem den Interessen der Finanzkreise und
der wohlhabendsten Gesellschaftsgruppen entsprechen, und auch die
wichtigsten Themen der rechtsextremen Parteien in ihr Programm
einfließen zu lassen.“ (Attac Fr)

13.06.2007

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