Rubrikübersicht | Impressum | 03. Dezember 2022


Kultur

Pforzheim im 3. Reich von 1934-1938..

Bild: Buchautor Markus Speer mit seinen beiden historischen Büchern..

Buchautor Markus Speer mit seinen beiden historischen Büchern..

Der bekannte Stadthistoriker Markus Speer hat sein neues Buch bereits im Rahmen einer Buchlesung in Eisingen vorgestellt. Eingeladen dazu hatte der CDU Ortsverband Eisingen in der Gaststätte Cafe Bauer.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Overheadprojektor erlebten die Anwesenden einen interessanten Abend mit einem gutgelaunten, humorigen Referenten, trotz des eher traurigen Themas. Markus Speer hatte sich akribisch in mehrjähriger Arbeit im Stadtarchiv und dem Generallandesarchiv in verf¸gbare Zeitdokumente eingelesen. Dabei war aber auch bednklich, dass z.B. offenbar in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg im Pforzheimer Archiv Dokumente offenbar mutwillig entfernt worden ware, wohl um wichtige, belastete Persönlichkeiten zu schützen?
1918: Der Krieg war verloren , die Dolchstoßlegende fand fruchtbaren Boden ("im Feld unbesiegt"), es gab grosse wirtschaftliche Not und politischen Chaos. Hitler erschien hier als Retter in der Not. Speer bezeichnete den Österreicher als "Inzuchtler", der aus einer recht zweifelhaften Verbindung entstand. Und auch sogar als Halbjude in der Linkspresse geoutet wurde.
Pforzheim habe überdurchschnittlich NSDAP gewählt, so Speer in seinem Vortrag, weil sich die Arbeitslosigkeit der lokalen Traditionsindustrie in Krisenzeiten höher war als anderswo, "wenn man kein Geld hat, kauft man auch keinen Schmuck.." Dadurch konnte z.B. ein Alleinstehender von der städtischen Sozialfürsorge pro Woche nur ein grosses Brot als Gegenwert oder eine Flasche Schnaps kaufen.. Viele entschieden sich dann für das "Getränk, " dadurch war hier auch die Alkoholikerquote höher als im restlichen Reichsgebiet..Nach der Machtübergabe durch Hindenburg an Hitler wurden auch in Pforzheim Sozialdemokraten, Kommunisten, Juden u.a. unbeliebte Bürger verfolgt und eingesperrt, die Kommunisten im KZ Ulm und die "Sozis" in Kislau. Pforzheim sollte übrigens nach NDSAP-Planung weit vor der Wahl 1933 bereits die erste Stadt ausserhalb von Bayern werden, mit eigener NSDAP-Ortszelle. Es wurden hier auch nach 1933 die linken Stadträte ausgeschaltet, so dass die Braunen hier dann die alleinige Macht hatten. Bereits vor 1933 erhielten die "Hakenkreuzler" hier vom Forstamt die Genehmigung, dessen Waldhütten zu nutzen, nahe dran wurden Waffendepots angelegt.
Mit dem Geld dass man dann der Arbeiterbewegung z.B. abnahm, wurden Beschäftigungsprogramme wie der Autobahnbau finanziert, so dass der Eindruck entstand, man habe mit Hitler den richtigen Mann gewählt, da nicht alle zuvor daran glaubten.
Auch die NSDAP-nahen Deutschen Christen hatten hier grossen Zulauf, z.B. im Bereich der Ortsgruppe Sedan. Wo man früher schon einen aktiven SA-Sturm hatte. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurden auch hier viele jüdische Mitbürger verfolgt, um Eigentum und Leben gebracht, nach Gurs deportiert. Interessant war auch zu erfahren, dass nach dem verlorenen Krieg sich bei der Entnazifizerung z.B. ein hochbelasteter ehemaliger Wehrwirtschaftsführer als Mitläufer einstufen konnte. Die von ihm geführte Firma existiert heute noch in der Innenstadt und war mal in die Kritik geraten, weil sie sich nicht am Entschädigungsfond für die Zwangsarbeiter in Pforzheim beteiligt hatte. Für seinen ausführlichen Vortrag gab es viel Beifall, auch Diskussionen, so erzählte ein Eisinger Heimathistoriker , "dass Eisingen 1933 mit 70 % für Hitler gestimmt haben soll!
Das Buch 1934-1938 wird im Herbst als zweiter Band einer Trilogie erscheinen.
ron

25.05.2012

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