Rubrikübersicht | Impressum | 28. Februar 2024


Leserbriefe

Nachruf Andreas Mandalka (Natenom)

Bild: Blumen und Kerzen an der L 574 bei Schellbronn mahnen die Vorbeifahrenden (Foto: rion)

Blumen und Kerzen an der L 574 bei Schellbronn mahnen die Vorbeifahrenden (Foto: rion)


Am 30. Januar wurde der Pforzheimer Fahrrad-Aktivist Andreas Mandalka im Straßenverkehr durch einen Autofahrer getötet.

In den Sozialen Medien war er unter dem Namen Natenom als engagierter Kämpfer für die Rechte von Radfahrenden unterwegs.
Die Fahrradwelt steht still!

Andreas Mandalka - vielen Radfahrenden besser bekannt als „Natenom" - wurde bei einem Verkehrsunfall von einem Autofahrer getötet. Der Unfall ereignete sich am Dienstagabend, 30. Januar, auf der L 574 südlich von Pforzheim von Neuhausen Richtung Schellbronn.

Andreas setzte sich seit vielen Jahren für sicheres Radfahren ein. Er filmte die unzähligen viel zu engen Überholmanöver durch Autofahrende und ging damit regelmäßig zur Polizei. In seinem Blog berichtet er von seinen Erlebnissen und brenzligen Situationen auf dem Rad und machte so die Missstände deutlich. Er nahm uns alle mit auf seine Fahrten, die uns oft an eigene Erlebnisse erinnerten und die uns jedes Mal schockierten. Durch seinen Einsatz für die Belange von Radfahrenden wurde Andreas bundesweit bekannt.

Die Straße, auf der Andreas getötet wurde, war seine Hausstrecke - ausgerechnet die Strecke, auf der er seit vielen Jahren für einen sicheren Radweg kämpfte. Und mangels Wegealternativen wenigstens einen sicheren Raum mit ausreichend Überholabstand und Tempolimits zum Radfahren auf der Landstraße einforderte. Andreas forderte von den Akteuren der Verkehrspolitik, dass alle Radfahrenden sicher an ihr Ziel kommen können und war dabei permanenten Gefahren ausgesetzt.

Seit Jahren sterben in Baden-Württemberg in jedem Jahr deutlich mehr als 50 Radfahrende. Nur selten haben sie für uns ein Gesicht und einen Namen wie bei Andreas. Umso mehr sind wir verpflichtet, uns vor allem dort, wo Radwege fehlen, vehement für deren Bau und bis dahin durch lokale Verbesserungen und vor allem ein anderes Verkehrsklima für ein sicheres Miteinander auf der Fahrbahn einzusetzen. Daher werden wir Andreas‘ Andenken ehren und uns trotz aller Trauer weiter einsetzen:

für die Durchsetzung geltenden Rechts, damit das sichere Überholen von Radfahrenden konsequent durch die Polizei kontrolliert und Verstöße geahndet werden;

für eine Verbesserung des Rechtsrahmens;

für den Ausbau und Lückenschlüsse im Radnetz;

für Geschwindigkeitsreduktion auf Landes- und Bundesstraßen, wo es keinen sicheren, nutzbaren Radweg gibt;

für die vollständige Analyse von Unfallursachen;

für die konsequente und systematische Beseitigung von Gefahrenstellen;

für mehr Sichtbarkeit von Radfahrenden im Straßenverkehr, z. B. durch Piktogrammketten.

Wir trauern um Andreas. Er stand als engagierter Mitstreiter an unserer Seite. Er wird nicht nur wegen seiner Tatkraft für die Belange aller Radfahrenden fehlen, sondern auch als Mensch innerhalb und außerhalb unseres Verbandes. Lieber Andreas, nun stehen wir an deiner Seite. Damit du in Frieden ruhen kannst, gehen wir den Weg zur Vision Zero weiter.

Seinen Angehörigen gilt unser tiefstes Mitgefühl.

Der Landesvorstand und die Geschäftsstelle des ADFC Landesverband Baden-Württemberg

 

Red. Zusatz:

 

Rund 500 Radfahrer nahmen am Sonntag, den 11.02. 24 an einer Gedenkkundgebung mit Fahhraddemo zum Unfallort bei Schellbronn teil, ein Filmteam des SWR war anwesend und filmte die Veranstaltung. Es ist immer eine Tragödie, wenn ein Mensch bei Verkehrsunfällen ums Leben kommt, hier traf es aber leider einen arrivirten Kritiker bestehender Verhältnisse, der oft provokant auf die für Radfahrer schlechte Infrastruktur hinwies. In anderen fahrradfreundlichen Ländern wie hz.B. den Niederlanden gibt es eit langem fast überall gut ausgebaute Radwege, so gut wie jeder Niederländer fährt Rad, das macht auch den Unterschied aus. Denn schon beim Überholen hupen z.B.  LKW-Fahrer zuvor, als Warnung an den Radler, die Radwege sind bestens ausgebaut, keine Schlaglochteststrecken wie hier, siehe nur mal den "Schüttelweg" an der Kallhardtstrasse in Pforzheim. Vielleicht ist sein tragischer Tod auch eim Signal an die Verantwortlichen auf kommunaler Ebene, beim Land und Bund endlich mehr Geld auch in den Ausbau von Radwegen zu investieren, auch vor dem Hintergrund der Klimakrise.

ron

12.02.2024

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