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Pforzheimer Sportschau

Tour de Farce

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Das letzte Mal mit Tränen in den Augen saß ich 1998 vor dem Fernseher. Aus Protest gegen die unfaire Berichterstattung der Medien und um die eigene weiße Weste zu betonen, fuhren die Größen des Radsports geschlossen Hand in Hand vor dem Feld. Einige überraschende europaweite Kontrollaktionen der Behörden hatten Anhaltspunkte für systematischen Medikamentenmissbrauch ergeben.
Unter anderem der damalige Topfavorit Richard Virenque wurde dabei des Dopings überführt und die Machenschaften in seinem Team Festina wurden in aller Brutalität öffentlich. Virenque sollte später einmal sagen: 'Wir hatten manchmal mehr geladen als die Apotheke an der Ecke'.
Seit damals hat sich viel geändert, nur leider am falschen Ende...
Die Liste der Sieger der größten sportlichen Tortour der Welt seit 1996:
1996Bjarne Riismittlerweile des Dopings überführt
1997Jan Ullricherklärt sich selbst heute noch für 'sauber'
1998Marco Pantanimehrfach überführt, mittlerweile verstorben (Überdosis Kokain)
1999 -
2005
Lance Armstrongnie überführt
2006Floyd Landispositiv getestet (Testosteron)


Schon zu Zeiten der Gründerväter wurde betrogen. In den Anfangseiten haben einige allzu erschöpfte Fahrer einfach den Zug bestiegen und waren dann sehr viel erholter vor den in gleichem Maße erschöpften wie überraschten Kollegen im Ziel.
Auch das Zuführen von körperfremden Substanzen war durchaus populär. Wein war ebenso üblich (1909 gewann ein deutscher Fahrer eine 100 Kilometer lange Etappe, auf der er 16 Liter Rotwein konsumiert hatte) wie Kokain und Morphium.
1967 kippte Tom Simpson nach dem Genuss von Amphetaminen und Alkohol einfach tot vom Rad.
Und genau deshalb sehe ich mir diese Wettkämpfe nicht mehr an, egal ob sie nun bei der ARD oder Sat1 übertragen werden, die in die Presche sprangen, weil sie den schnellen Euro witterten. Genau diese Skrupellosigkeit ist es, die den Sport dorthin gebracht hat, wo er heute steht. Wenn es um viele Millionen geht, ohne Rücksicht auf irgendeine Ethik, wird eben alles getan um nach vorne zu kommen. Auch wenn der eigene Körper dabei zugrunde geht.
Nur der Naivste träumt noch den Traum vom sauberen Sport. Das gilt nicht nur für den Radsport. Grenzerfahrungen sollten sich aber besser in einem Spektrum abspielen, das der eigene Kreislauf leistet. Und nicht an der Grenze zwischen Leben und Tod. Das hatten die alten Römer schon und dafür blickt unsere Zivilisation eigentlich mit einem überlegenen Lächeln auf sie zurück.
'Sport ist Mord', dieser Phase der Evolution sollten wir doch eigentlich allmählich entwachsen sein.

14.09.2013

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