Rubrikübersicht | Impressum | 22. Juni 2024


Leserbriefe

Nicht tricksen beim Verkehrshaushalt: Das Wort zusätzlich ist entscheidend

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Mautmehreinnahmen für die Schiene verwenden statt bestehende Ansätze kürzen

 

Aus einer Meldung des SPIEGEL geht hervor, dass der Verkehrsetat im Kabinettentwurf für den Bundeshaushalt für 2024 um 4,9 Milliarden Euro unter dem von Verkehrsminister Volker Wissing angemeldeten Niveau liegen soll. Die Bahnverbände DIE GÜTERBAHNEN, mofair und der ökologische Verkehrsclub VCD fordern Bundestag und Bundesregierung auf, den Beschluss des Koalitionsausschusses vom 28. März 2023 ohne Wenn und Aber umzusetzen. Dort hieß es, dass die erwarteten Mehreinnahmen aus der LKW-Maut ab 2024 „weit überwiegend" der Schieneninfrastruktur zukommen sollten. Vertreter:innen der Ampelkoalition wurden damit zitiert, dass dies „zu 80 Prozent" geschehen solle. Dies bedeutet ca. 6 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich für die Schiene.

Dass die insgesamt durch die Koalitionsparteien als Mehrbedarf für die Schieneninfrastruktur anerkannten 45 Milliarden Euro für den Zeitraum 2024 bis 2027 (und somit ca. 11 Milliarden Euro jährlich) wirklich kommen, sehen die in weite Ferne rücken. Die Haushaltsmittel entscheiden aber darüber, ob die Sanierung des Gleisnetzes im geplanten und versprochenen Umfang vorangetrieben werden kann und ob die Digitalisierung der Schiene gelingt.

GÜTERBAHNEN-Geschäftsführerin Neele Wesseln: „Nach den vollmundigen Versprechungen von zusätzlich 45 Milliarden Euro für die Schiene bis 2027 sehen wir wieder die gleichen Muster der vergangenen Jahre: Verbales Kleckern ohne reales Klotzen für die Schiene. Das passt nicht zu den Schwüren der Ampel, die verkehrs- und klimapolitische Abwärtsspirale aufzuhalten und die Schiene zur Chefsache zu machen. Subventionsabbau, Umschichtungen und auch ein Veräußerungserlös der DB Schenker AG könnten Einnahmen generieren, damit die Ziele und Verabredungen aus dem Koalitionsausschuss vom März realisiert werden können."

mofair-Geschäftsführer Dr. Matthias Stoffregen: „Dass die bisher getrennten Finanzierungskreisläufe Straße und Schiene durchbrochen werden und es künftig möglich wird, Schieneninfrastruktur auch mit Mitteln aus der Maut zu finanzieren, war und ist ein großer Schritt zu einer steuernden Verkehrspolitik, die Klimaschutz ernst nimmt. Quasi im selben Atemzug aber die Mittel für die Schiene anderswo wieder zu kürzen, ist absurd und macht die Bundespolitik unglaubwürdig."

Kerstin Haarmann, Bundesvorsitzende des ökologischen Verkehrsclubs VCD: „Wer es ernst meint und Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern will, muss sich an seine eigenen Beschlüsse halten: Die Ampel-Koalition hatte zugesagt, die Mehreinnahmen aus der Lkw-Maut in Bau und Sanierung von Bahnstrecken zu investieren. Dieses Geld muss jetzt auch fließen - mit maroden Schienen aus dem vorigen Jahrhundert wird die Bahn den Anforderungen von Digitalisierung und Verkehrswende nicht gerecht."

Der Beschluss des Koalitionsausschusses vom 28. März hatte in der Bahnbranche große Erleichterung gebracht, denn erstmals wurden die bisher getrennten Finanzierungskreisläufe „Straße finanziert Straße" und „Schiene finanziert" Schiene aufgebrochen: Der „überwiegende Teil" der erwarteten Mehreinnahmen aus der ab dem 1. Januar 2024 modifizierten LKW-Maut soll der Finanzierung der Schiene zufließen.

Dies wären gut 6 Milliarden Euro. Der Entwurf des Bundesfernstraßenmautgesetzes nimmt dies auch so auf. Dort heißt es in § 11 Absatz 2, dass die Hälfte der Einnahmen für Planungs- und Bauleistungen im Bereich der Straße (wie bisher) einzusetzen sind und die andere Hälfte „für Maßnahmen im Bereich Mobilität und dabei ganz überwiegend für Maßnahmen aus dem Bereich der Bundesschienenwege zu verwenden" sind.

In der Begründung, Allgemeiner Teil des Gesetzesentwurfs heißt es aber: „Über die Höhe der dem Einzelplan 12 aus den Mautmehreinnahmen zusätzlich zufließenden Haushaltsmittel ist im Rahmen der Aufstellung des Bundeshaushalts 2024 und der Finanzplanung bis 2027 zu entscheiden."

Die Haushaltsplaner des Bundesfinanzministeriums scheinen sich nun auf diese Passage zu stützen und sie gegen den eigentlichen, geplanten Gesetzestext auszulegen. So werden die zusätzlichen Milliarden nur bisherige Bundesmittel ersetzen - das Wörtchen „zusätzlich" entfiele.

PM/VCD

01.07.2023

· Kritik an Stromnetzübernahme von Tennet
· Neben dem Preis ist das Angebot entscheidend: Das 49-Euro-Ticket wird nur da gekauft, wo auch im ausreichenden Maße Busse und Bahnen fahren. Das ist insbesondere im ländlichen Raum allzu oft nicht der Fall. Daher fordert das Bündnis, dass der öffentliche Nah- und Regionalverkehr in der Stadt und mehr noch auf dem Land ausgebaut und barrierefrei wird. Dafür müssen Bund und Länder stärker in die Finanzierungsverantwortung für den gesamten ÖPNV gehen. Der kommunale ÖPNV ist heute in seinem Bestand bedroht, weil die Kommunen mit der Finanzierung allein gelassen werden. Wenn der Ausbau- und Modernisierungspakt von Bund und Ländern ein leeres Versprechen bleibt, werden die steigenden Kosten für Instandhaltung, Betrieb und attraktive Arbeitsbedingungen im ÖPNV für einen Rückbau sorgen statt für einen Ausbau.
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