Rubrikübersicht | Impressum | 02. Juli 2022


Leserbriefe

Geht`s auch ohne? VCD startet Kampagne für autofreies Leben

Bild: Symbol der alten Energiesituation: Neues Gasmotorenkraftwerk der Stadtwerke Pforzheim am Enzauenpark (Foto: ron)

Symbol der alten Energiesituation: Neues Gasmotorenkraftwerk der Stadtwerke Pforzheim am Enzauenpark (Foto: ron)

 


 

Viele Menschen würden angesichts der Abhängigkeit vom russischen Gas, der Klimakrise und der steigenden Spritpreise gerne auf das eigene Auto verzichten.

Doch sie sind darauf angewiesen, weil es an guten Alternativen mangelt. Wer sich schon heute kein Auto leisten oder aus anderen Gründen nicht Autofahren kann, ist in seiner gesellschaftlichen Teilhabe eingeschränkt. Darauf macht der ökologische Verkehrsclub VCD mit seiner neuen Kampagne für eine soziale Verkehrswende aufmerksam und fordert eine Mobilitätsgarantie für alle.

 

Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, gut und sicher mobil zu sein, ohne dabei auf ein eigenes Auto angewiesen zu sein. Die Realität sieht jedoch anders aus. Besonders problematisch ist das für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, Menschen mit niedrigem Einkommen und Menschen im ländlichen Raum. Mit einer Bildaktion vor dem Reichstagsgebäude startete der ökologische Verkehrsclub VCD heute seine Kampagne für eine soziale Verkehrswende und die Forderung nach einer Mobilitätsgarantie. Begleitend legt der Verband in einem Hintergrundpapier dar, wie man eine solche Garantie für alle Menschen, unabhängig von Geldbeutel, Wohnort oder körperlichen Voraussetzungen, umsetzen könnte.

 

Teil der Kampagne ist auch eine Online-Aktion. Dafür befragt der VCD Menschen aus ganz Deutschland, inwiefern sie in ihrem Alltag vom Auto abhängig sind. Das Ergebnis wird auf der Website des Verbandes in einer Deutschlandkarte dargestellt.


Kerstin Haarmann, VCD Bundesvorsitzende: „Viele Menschen nutzen für ihre täglichen Wege hauptsächlich das Auto. Aber nicht, weil sie es wollen, sondern weil sie keine andere Wahl haben - gerade auf dem Land. Aber was ist mit denjenigen, die sich kein Auto leisten oder nicht fahren können? Wir wollen mit der Mobilitätsgarantie den Missstand beenden, dass viele Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden. Wir brauchen endlich überall gute Alternativen zum eigenen Auto."

Auf dem Land gibt es oftmals kein oder nur ein unzureichendes ÖPNV-Angebot. Ähnlich sieht es bei der Infrastruktur für den Radverkehr aus. Deshalb fordert der VCD verbindliche Mindeststandards für Bus und Bahn und den Ausbau von Radwegen. Ab einer Ortsgröße von 200 Einwohner*innen soll es mindestens im Ein-Stunden-Takt eine Verbindung bis zur nächsten größeren Stadt geben. Um Mobilität für alle zu gewährleisten, muss Barrierefreiheit umfassend gedacht werden: Die Beseitigung von physischen und sonstigen Barrieren ermöglicht vielen Menschen mit körperlichen, sensorischen (Sehen und Hören) oder psychischen Einschränkungen erst, mobil zu sein. Breitere Gehwege, abgesenkte Bordsteine und Aufzüge wären zudem auch für Menschen mit Kinderwagen oder Gepäck eine Erleichterung. Und schließlich müsse Mobilität für alle bezahlbar sein: mindestens durch bundesweit verfügbare Sozialtickets, die unbürokratisch zugänglich sind.

 

Dominik Fette, Sprecher für klima- und sozialverträgliche Mobilität: „Eine Mobilitätsgarantie geht weit hinaus über den Minimalanspruch auf ein Taxi, wenn der Bus ausfällt. Das Ziel ist, dass künftig niemand mehr auf ein eigenes Auto angewiesen ist und wirklich alle Menschen mobil sein können. Denn Mobilität ist eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe."

Mit der Mobilitätsgarantie müssen jetzt die Weichen für eine sozial- und klimaverträgliche Verkehrswende gestellt werden, so der VCD. Kurzfristig fordert der Verband außerdem, die Pendlerpauschale durch ein Mobilitätsgeld zu ersetzen. Denn die Pendlerpauschale sei in ihrer jetzigen Ausgestaltung sozial ungerecht. Von ihr profitierten vor allem gutverdienende Haushalte mit einem höheren Steuersatz und längeren Arbeitswegen. Um die Menschen zu entlasten, die auf das Pendeln angewiesen sind, und gleichzeitig die soziale Schieflage der Pendlerpauschale zu beseitigen, sollte diese in ein Mobilitätsgeld umgewandelt werden. Dabei bekommen alle Pendler*innen den gleichen Betrag pro Pendelkilometer ausbezahlt beziehungsweise von der Steuerlast abgezogen. Der Steuersatz hätte somit keinen Einfluss auf die Höhe der Entlastung.

PM

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