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Demokratie und Aktion

Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus am Totensonntag auf dem Pforzheimer Hauptfriedhof

Bild: Christof Grosse vor dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus (Kranz von  der Stadt Pforzheim)

Christof Grosse vor dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus (Kranz von der Stadt Pforzheim)

Redebeitrag zur Gedenkstunde am 26.11.2017

Sehr geehrte, liebe Anwesende,

wie wichtig ein Gedenken, ein Versammeln an diesem Ort, dem Pforzheimer Mahnmal für die Opfer des Faschismus ist, ist mir bei der Vorbereitung dieses kleinen Redebeitrags aufgegangen:

wir haben es in diesem Jahr 2017 erlebt, wie in Deutschland ein Mahnmal öffentlich als Schande bezeichnet werden konnte, und dass die Verbrechen des deutschen Militarismus in zwei Weltkriegen offen für einen neuen Nationalstolz reklamiert werden.

Erinnerung an den Zivilisations- und Kulturbruch also eine "Schande"? Der deutsche Überfall auf Polen eine "Leistung"? Wir wissen, von wem diese Äußerungen stammen, es widerstrebt mir, die Namen der Urheber an diesem Ort zu nennen. Ich stelle nur fest, dass neue Brandstifter hier am Werk sind, denen es sich zu widersetzen gilt. Nicht zuletzt deshalb stehen wir heute 2017 hier.

Das Pforzheimer Mahnmal, das in der Form von am Boden liegenden Platten mit Namen darauf seit den 1960er Jahren existiert, erinnerte zu Anfang vor allem an die Schwächsten der Opfer des Nationalsozialismus: die vielen behinderten Menschen, die den sog. Euthanasie-Morden in den psychiatrischen Anstalten der Region, namentlich in Grafeneck, zum Opfer gefallen sind.

Andere Opfer sind auf den seit einigen Jahren hier angebrachten Tafeln genannt, sie sind zu Opfern geworden, weil sie Gegner des Nationalsozialismus waren. Ich greife stellvertretend heraus: Karl Bührer (SAP), Matthäus Eberle (KPD), Oskar Glocker.

Ein Name, Eugen Charrier, ist erst im letzten Jahr von einer Geschichts-AG des DGB, u. a. von Gerhard Brändle, als Teilnehmer des antifaschistischen Kampfes in Spanien identifiziert worden, in dem Sammelband "Adelante". Er wirkte als Sanitäter bei den republikanischen Truppen, musste nach Frankreich fliehen, geriet dort in die Hände der SS und wurde in KZ Sachsenhausen gesperrt, wo er am 23.02.1942, exakt drei Jahre vor der Zerstörung Pforzheims 1945, unter ungeklärten Umständen ums Leben kam.

Soviel nur zum Anlass der heutigen Gedenkstunde, vielen Dank.

 

Christof Grosse
IgR/Pforzheim

27.11.2017

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