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23. Mai 2022

Demokratie und Aktion

Gedenkfeier an die Deportation badischer Juden nach Gurs

Bild: v.l.: Andrew Hilkowitz, Rabbi Michael Bar Lev, Horst Selbiger (unten rechts)

Auch 2018 fand wieder am Denkmal an die verschleppten jüdischen Mitbürger von
Pforzheim am Hauptgüterbahnhof beim Prellbock eine Gedenkfeier statt.

Neben einem Chor, der jüdische Lieder vortrug, sprach auch Rabbiner Michael Bar Lev ein kurzes Gebet auf Hebräisch für die ermordeten Juden, das von Andrew Hilkowitz übersetzt wurde. OB Peter Boch hatte zuvor die anwesenden Teilnehmer der Gedenkfeier begrüsst und erinnerte an das schlimme Schicksal der 195 Pforzheimer Juden, Männer, Frauen und Kinder, (neun davon aus dem Umland) die am 22.10. 1940 genau zwei Stunden Zeit hatten ihre Koffer zu packen, danach ging es mit dem Zug nach Gurs in Frankreich am Rand der Pyrenäen. Und mahnte zur Toleranz gegenüber anderen Menschen. Der ehemalige Journalist Horst Selbiger, der geb. 1928 in Berlin, der auch aus einer jüdischen Familie stammt, erzählte aus der unseligen Zeit als rund 5.400 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland nach Gurs deportiert wurde.
„ÖFFNEN; POLIZEI, " so schallte es vor der Haustür. Den Juden wurde befohlen, innerhalb von zwei Stunden ihre Koffer zu packen, max. 50 kg Gepäck und 100 Reichsmark durften mitgenommen werden. 4 Tage dauerte die Fahrt in die Pyrenäen, wo die Juden eine trostlose Barrackensiedlung erwartete, ohne Fenster, mussten alle auf dem nackten Erdboden schlafen. Täglich starben zwischen 15-20 Menschen an Hunger und Kälte. Das Lager Gurs erhielt auch den Beinamen als "Vorhof zur Hölle," die Überlebenden wurden später in die Vernichtungslager im Osten deportiert. Aber der Schrecken hatte bereits eine Vergangenheit, denn seit 1933 wurden die Juden im Reich durch rund 1.400 Verordnungen und Gesetze bereits gegängelt. Am schlimmsten war 1938 die Reichspogromnacht gewesen, wo auch in Pforzheim Menschen willkürlich verhaftet wurden, Geschäfte aririsiert und geplündert, die Synagoge geschändet wurde. Hervorgetan bei der Zerstörung der Synagoge nahe der heutigen Volksbankzentrale waren u.a. die Pforzheimer Nazis Wilhelm Ortner, Fritz Bogner und Fritz Stähle, letzterer sägte den Davidstern auf dem Dach der Synagoge ab, die anschliessend in Brand gesetzt wurde.
Horst Selbiger erinnerte auch an den Pforzheimer Arzt und Gynäkologen Rudolf Kuppenheim, einen mehrfach ausgezeichneten Teilnehmer am 1. Weltkrieg, der sich aus Angst vor den Nazis das Leben nahm...
Angesichts der starken Zunahme von rechtsradikalen Vorkommnissen in Deutschland rief Horst Selbiger dazu auf, sich dagegen zuwenden: „ Wer in der Demokratie schläft, muss sich nicht wundern, in der Diktatur wieder aufzuwachen". (Dem ist nichts hinzuzufügen)

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