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16. Mai 2022

Demokratie und Aktion

Der Kuaför aus der Keuopenstrasse - Film im Rahmen der Aktionswoche gegen Rechtsextremismus

Bild: Mehmet Kilic, ehemaliger Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen (Foto:pr)

Lag es am knappen Termin vor dem 23. Februar?
Leider nur ein einziger Besucher hatte sich im Kommunalen Kino (KoKi) eingefunden, um sich mit Pressservertretern und Mitgliedern der Initiative gegen Rechts den Film „Der Kuaför aus der Keupenstrasse" anzusehen Laut der Koki-Leiterin Christine Müh eher eine totale Ausnahme, bei den anderen Filmen waren es mehr Besucher. Im Film ging es über das Versagen der Sicherheitsbehörden bei der Aufklärung des Nagelbombenanschlags des rechtsextremen NSU in Köln im Jahr 2004 auf einen türkischen Friseurladen. Zu Wort kamen hier die Betroffenen, die erklärten, dass sie jahrelang nicht als Opfer des Anschlags, sondern als Täter quasi betrachtet wurden , mit schlimmen persönlichen Folgen. Erst nach dem Auffliegen ders NSU im Jahr 2011 wurden sie rehabilitiert, waren plötzlich auch „beliebt „bei Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel. An den psychischen Folgen leiden die Betroffenen heute noch, wurden sie sogar unter Mafiaverdacht gestellt oder sollen gar Beziehungen zum Rotlicht,- Rocker oder Türstehermilieu haben..Was nicht stimmt. Die Antworten waren deutlich, man unterstellt den Ermittlern Rassismus oder gar Blindheit auf dem rechten Auge? Und fordern mehr als nur eine öffentliche Rehabilitierung. Nach dem Film, der etwas überlang erschien, folgte noch eine längere Aussprache im Koki, bei der auch die Kinochefin Christine Müh, Mehmet, Kilic und Rolf Neff von der IgR Rede und Antwort standen. Als fundierter Kenner der Szene auch aufgrund seiner Mitarbeit im Innenausschuss, zeigte sich sinngemäß der ehemalige Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90 /Die Grünen Pforzheim_Enzkreis, und studierte Jurist Mehmet Kilic. „Dreizehn Jahre zogen diese Leute durch die Republik, hinterließen eine Blutspur und die Sicherheitsbehörden bekommen von all dem nichts mit?". Der vom Bundestag eingesetzte Untersuchungsausschuss arbeitete auf Hochtouren „Das wird eher ein Zwischenbericht, ich hoffe, dass Bundestag den Ausschuss erneut beschließt". Schließlich müsse einiges rekonstruiert werden nach dem mysteriösen Verschwinden bzw. Schreddern von Akten. Eine sachliche Aufklärung gestalte sich fast unmöglich. Eine Woche nach bekanntwerden der NSU-Zelle von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe seien plötzlich 310 Aktenordner vernichtet worden, „nicht nur 26 wie bisher bekanntgemacht", so Kilic. So sei unwiederbringlich Material verschwunden, „wir haben im Ausschuss viele Fragen gestellt, etliche wurden dabei überhört". Ungeklärt ist auch, welche Sympathisanten oder Unterstützer das Trio hatte, im TV-Film „Blutspur" spricht man von über 200 Personen, wohl auch Tippgebern für mögliche Anschläge. Das NSU-Trio soll 10 Menschen ermordet, 15 Banküberfälle und rund ein Dutzend Anschläge auf dem Gewissen haben.
Heinz Fromm, Chef des Verfassungsschutzes, musste damals seinen Hut nehmen, „doch der war wenigsten ehrlich und räumte eine Niederlage der Verfassungsschutzbehörden ein". Was wusste der „kleine Adolf", ein Verfassungsschützer, der am Tatort eines Neonazimordes war, wenig später mit bekannten Neonazis telefonierte, der „Mein Kampf" unter dem Bett verwahrte und Waffen in seiner Wohnung verbarg ? „Auch das ist längst nicht geklärt, wird es möglicherweise auch nie werden". Doch Kilic will nicht wie vielleicht andere aus der linken Szene gleich „das Kind mit dem Bade ausschütten „ und plädiert nicht für eine totale Auflösung des Verfassungsschutzes: „Wenn man ein Messer hat, kann man damit Brot schneiden, jedoch auch jemanden verletzen." Auch die Staatsanwaltschaften müssten hier in alle Richtungen ermitteln, also Ergebnis offen...
ron

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