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Demokratie und Aktion

Antifaschistischer Stadtrundgang mit Gerhard Brändle

Bild: Gerhrd Brändle vor dem ehemaligen Kino am Leopoldplatz

Gerhrd Brändle vor dem ehemaligen Kino am Leopoldplatz

Rund 35 Teilnehmer, darunter auch Stadträte, hatten sich am Sonntagnachmittag, 15. November 2015 am Platz der Synagoge eingefunden, um sich mit dem ehemaligen Lehrer und bekannten Historiker Gerhard Brändle über die unselige Vergangenheit in Pforzheim während der Zeit des NS-Faschismus an diversen Stationen zu informieren.

An der ehemaligen Synagoge beim Volksbankhaus stand bis 1938 die jüdische Synagoge. Diese wurdein der
sog. Reichsprogromnacht von Nazis geschändet und zerstört. Max Reinheimer, Mitglied der jüdischen Gemeinde und hoch dekorierter Teilnehmer im 1.Weltkrieg, versuchte damals gegen die Zerstörungzu
Protestieren, er wurde von den Nazis so geschlagen, dass er erblindete und danach in den anliegenden
Kanal geworfen. Max Reinheimer überlebte schwer verletzt und wanderte später nach Südamerika aus. Weiter ging es gegenüber bei der heutigen VHS, wo sich früher die Degussa Scheideanstalt befand , die Fa. Dewesch war mit der Degussa im Firmenverbund und stellte das berüchtigte Zyklon B her, dass in den KZ`s zur Vergasung von Menschen verwendet wurde.
Weiter zum Melanchthonhaus, dort befand sich früher eine kleine Brücke über die Enz, Brändle erläuterte
hier den Aufstieg Deutschen Christen, einer Ns-nahen Religionsgemeinschaft.
Am Leopoldplatz befanden sich früher die LiLi-Lichtspiele, in dem die Nazis einen berüchtigten Pro Euthanasiefilm zeigten, gegen den in der Aufführung der katholische Pfarrer Kurt Habich lautstark protestierte und er deshalb ins KZ Dachau kam. Auch die Gründung der sog. Pforzheimer Barackengemeinschaft für die Zwangsarbeiter auch durch die lokale IHK wurde erklärt, wo es in Brötzingen das sogenante Russsenlager gab , beim heutigen Klärwerk das Italienerlager.

In der heutigen Fussgängerzone stand das ehemalige jüdische Kaufhaus Schocken, heute Kaufhof, das ebenfalls arisiert wurde uns später als Schneider OHG firmierte..

Auf dem Marktplatz dann ein Hinweis auf die dort durchgeführte Bücherverbrennung am 17. Juni1933 , wobei NS-Gegner auch eine Ausgabe des bei den Nazis bevorzugte Neue Testament „heimlich" dazu fügten, die mit verbrannte, was dann zur Ärger bei den Nazis führte.
Am alten Schloßberg dann vor einem ehemaligen Sportgeschäft erläuterte Gerhard Brändle hier die damalige Arisierung des Fotogeschäftes Max Rödelheimer , der ebenfalls im1. Weltkrieg für Volk und Vaterland gekämpft hatte.
Vor seinem Geschäft hatten sich damals SA- Männer aufgebaut, mit der Parole „Kauft nicht bei Juden"
Max Rödelheimer setzte sich deswegen aus Protest in das Schaufenster seines Ladens, hinten eine kleine Postkarte mit dem Text :
"Wir sind alle Kinder eines Gottes," was zu Protesten gegen die SA-Aktion in der Bevölkerung führte..
Der Abschluß des historisch interessanten Stadtrundganges fand dann an der Schloßkirche statt, wo auch noch Fragen gestellt werden konnten.


In vielen Städten finden derartige stadtgeschichtlichen Rundgänge regelmässig statt, das wäre auch für Pforzheim eine wichtige Einrichtung, auch um Neuzugezogene mit der unseligen Geschichte Pforzheim bekannt zu machen und sicher auch für den Tourismus nícht uninteressant..

16.11.2015

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