Rubrikübersicht | Impressum | 03. Dezember 2022


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30 Jahre Atomkatastrophe von Tschernobyl

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Verdrängt, vergessen, explodiert

Sowohl Tschernobyl als auch Fukushima galten als „sichere" Atomkraftwerke - bis die Realität das Gegenteil bewies. Das mahnt, auch alle anderen Meiler endlich abzuschalten. 


April 1986: Dampf steigt aus dem völlig zerstörten Block 4 des AKW Tschernobyl
Vorsicht, Regen! Plötzlich ist der gefährlich, bringt Cäsium, Strontium, Jod. Das AKW Tschernobyl, in der Nacht auf den 26. April 1986 von einer gewaltigen Explosion regelrecht zerfetzt, ist 1.000 Kilometer weit weg. Doch der Dreck von dort fällt auch in Deutschland vom Himmel runter. Den Super-GAU, den gibt es also wirklich. Und er ändert viel.

Der Boden: kontaminiert. Das Gras: radioaktiv. Die Milch folglich auch. Der Sandkasten wird Sperrzone, die Kinder bleiben drinnen, Schuhe strikt draußen. Haare: täglich waschen. Eigene Ernte? Lieber nicht! Und die Bäuerinnen und Bauern? Pflügen das Gemüse unter. Müssen es wegkippen. Oder verkaufen es doch. Die Zeitungen sind voller Messwerte. Was war nochmal ein Becquerel? Und eine Frage bleibt: Was können wir noch essen?

Der Super-GAU von Tschernobyl zerstört Leben, Gesundheit, Familien und Heimat von Millionen Menschen, und das längst nicht nur in der direkten Umgebung des AKW. Tausende Säuglinge sterben, die Zahl schwerer Fehlbildungen nimmt zu, etwa eine Million Mädchen kommt erst gar nicht zur Welt. Noch immer sind riesige Gebiete in Europa mit radioaktivem Cäsium kontaminiert, Wildschweine und Pilze aus manchen Regionen Deutschlands dürfen selbst nach den laxen europäischen Strahlenschutzgrenzwerten bis heute nicht verzehrt werden. Genetische Schäden werden noch in 300 Jahren auftreten.

Kein einziges AKW ging nach Tschernobyl in Deutschland mehr in Bau; auch weltweit nahm die Zahl der Neubauprojekte über zwei Jahrzehnte stetig ab. Dann geriet der Super-GAU ein wenig in Vergessenheit - zu Unrecht: Erstens dauern, siehe oben, die Folgen der Atomkatatstrophe bis heute an. Und zweitens hat sich daran, dass Atomkraft eine extrem gefährliche Methode zur Stromerzeugung ist, schlicht nichts geändert.

Kann hier nicht passieren?

„Ein solcher Unfall kann hier nicht passieren" hießt es nach Tschernobyl bei allen, die weiter auf Atomkraft setzten, denn es war ja ein sowjetisches AKW, das da in die Luft geflogen war, mit natürlich gravierenden Sicherheitsmängeln. Nur hatten die zuvor niemanden gestört, geschweige denn die Inbetriebnahme des Meilers verhindert. Selbst die „Atomwirtschaft", das bundesdeutsche Zentralorgan der Branche, bedachte den Reaktor im Dezember 1983, zweieinhalb Jahre vor seiner Explosion, noch mit ausdrücklich mit Lob: „Die Verlässlichkeit des ganzen Systems ist sehr hoch (...)."

Am 26. April 1986 genügte ein kleiner Fehler der Betriebsmannschaft, die Kettenreaktion binnen weniger Sekunden bis zur Explosion des Reaktors anzuheizen. Fehler, die gravierende Folgen haben können, passieren jedoch auch in westlichen AKW. So wie 1987 im AKW Biblis A, als ein wichtiges Ventil offensteht. Zwei Schichten lang tippen die Operateure auf einen Defekt der Warnlampe. Die dritte Schicht startet schließlich eine riskante Aktion, um die Armatur wieder zu schließen. Um ein Haar hätte der Kern dabei seine Kühlung verloren. „Wir haben sagenhaftes Glück gehabt", urteilt der Reaktorsicherheitsexperte Lothar Hahn, später jahrelang Geschäftsführer der halbstaatlichen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), als der Beinahe-GAU Ende 1988 öffentlich wird.

So wie am 25. Juli 2006 im schwedischen AKW Forsmark: Ein Kurzschluss außerhalb der Anlage führt zum Stromausfall im AKW, nur zwei von vier Notstromdieselgeneratoren springen an. Dass nicht alle ausfallen, ist purer Zufall - dann wären ganze 18 Minuten bis zum Beginn der Kernschmelze geblieben.

März 2011: Dampf steigt aus dem zerstörten Block 3 des AKW Fukushima-Daiichi
Schließlich die Reaktoren 1, 2 und 3 im japanischen AKW Fukushima: Dass Japan Erdbebengebiet ist, war kein Geheimnis, ebenso, dass es bei Beben im Meer zu Tsunamis kommen kann. Die Meiler waren deshalb stärker als etwa die in Deutschland gegen solche Naturereignisse geschützt. Und ungeachtet aller Schwachstellen galten sie - wie alle AKW! - offiziell als „sicher", das Unfallrisiko als vernachlässigbar. Weder der Betreiber noch die Aufsichtsbehörden schritten ein. Die Reaktoren blieben in Betrieb - bis zum Super-GAU in den Tagen ab dem 11. März 2011. Da war es dann zu spät, sie sicher abzuschalten.

In Deutschland sind noch acht AKW am Netz. Keines davon wäre heute noch genehmigungsfähig. Keines entspricht dem Stand von Wissenschaft und Technik, den das Atomgesetz eigentlich fordert. In keinem ist ein schwerer Unfall bis hin zum Super-GAU ausgeschlossen. Und mit jedem Tag, den sie länger laufen - Stichwort: Materialermüdung -, wird das Risiko größer.

Rechtzeitig abschalten

Tschernobyl und Fukushima mahnen, die Gefahr einer Atomkatastrophe, die Leben und Gesundheit von Millionen bedroht, ernst zu nehmen. Sie mahnen, den Beteuerungen, diese oder jene Anlage sei „sicher", keinen Glauben zu schenken. Beide Unfälle haben Schwachstellen offenbart, die davor keinen der Verantwortlichen bekümmert haben. Wir können mit Sicherheit davon ausgehen, dass es auch in den hiesigen Anlagen noch mehr solcher - unerkannten oder unbeachteten - Schwachstellen gibt. Dagegen hilft nur eines: Die Meiler abschalten, bevor es zur nächsten Katastrophe kommt!

Quelle: www.ausgestrahlt.de 

26.04.2016

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