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Sand im Getriebe 59: Vorwort

(13.06.2007 - 18:22)

Inmitten einer Welt in Turbulenzen spielt sich vor unseren Augen ein Schauspiel ab. Da treffen sich die Führer der reichsten und mächtigsten Staaten der Welt und versuchen, ihre zerfallende Allianz zusammen zu halten. G1 hat den Irak-Krieg verloren und sieht sich überall auf der Welt einer Flut von antihegemonialen Strömungen gegenüber.
Die G7 - untereinander heftig zerstritten – klagen bitterlich darüber, dass sich Russland nicht mehr herumkommandieren lässt. Im Rest der Welt bilden sich neue, auch widerständige Pole und Modelle. Die ökonomischen Gewichte verschieben sich, politischen Allianzen werden neu ausgehandelt. Die „Altermondialisten“, unsere Bewegungen für eine andere Globalisierung, sind dabei, die neoliberale Ideologie des „der Markt soll’s richten“ zu delegitimieren. Die imperiale Rechtfertigung militärischer Gewalt wird brüchig, aus allen Himmelsrichtungen erschallt der Ruf: „Kriege beenden statt Kriege vorbereiten“.
Die Welt ist in Aufruhr. „Es scheint, dass die Epoche nach dem Kalten Krieg sehr kurz gewesen ist. Nicht einmal zwei Jahrzehnte nach dem das Ende der Geschichte verkündet wurde, erleben wir eine enorme Beschleunigung der Geschichte. Ein tiefer historischer Einschnitt kündigt sich an. Ein halbes Jahrtausend hat der Westen – zuerst Spanien und Portugal, dann England und zuletzt die USA - die Welt beherrscht. Diese Position wird nun durch die Newcomer ernsthaft in Frage gestellt.“(Peter Wahl).
Die G8 sind längst keine heimliche Weltregierung mehr, sondern eher eine Gruppe mächtigen Konkurrenten, die in einem grandiosen Schaulaufen die Risse und Widersprüche in ihrem eigenen Laden übertünchen wollen und die sich vor den Herausforderungen durch den globalen Süden die Augen reiben. Sie sehen sich einem Zangengriff gegenüber: einerseits den neu entstehenden ökonomischen und politischen Polen, und andererseits der Massenbewegung von unten, die ihre Herrschaft und die Strukturen des Weltmarktes prinzipiell in Frage stellen. „Jenseits von G8, Regierungen, Gipfeln und internationalen Institutionen gibt es die tausenden Organisationen – NRO, Gewerkschaften, Vereine und Kollektive –, die zusammen die internationale antikapitalistische, antiimperialistische, Antikriegs- und antineoliberale Bewegung für soziale Gerechtigkeit bilden: die „Bewegung der Bewegungen“. Mehr als jede Regierung fordern diese sozialen Kräfte die Macht und das „Große Geld“ heraus.“ (Nicola Bullard)
Während im globalen Süden der Trend zur Privatisierung umgekehrt wird und Länder wie Venezuela oder Bolivien wieder die Kontrolle über ihre Ressourcen übernehmen, befinden sich die mächtigen Konkurrenten der G8 in einem heftigen neuen Wettlauf um die Rohstoffe der Welt: „Trotz all des Geredes über Globalisierung und Primat der Ökonomie setzen Industrie und Politik dabei auf Gewalt und Macht des Staatsapparates und demonstrieren so - noch weit unterhalb der Schwelle militärischer Einsätze -, wie wenig friedlich der freie Welthandel ist“ (Anna Blume und Stefan Kaufmann). Dieser Wettlauf steckt auch hinter dem neuen Interesse der G8 an Afrika. Roland Süß und David Cronin entlarven die miesen Buchhaltertricks, mit denen die G8 ihre „Hilfe“ für Afrika und die ärmsten Ländern der Welt schön rechnen.
Derweil droht neues Unheil aus den Industriestaaten, die ihre Abhängigkeit vom Erdöl verringern wollen, ohne ihren Lebensstil zu ändern. Fidel Castro hält es für eine „verhängnisvolle Idee, aus Nahrungsmitteln Treibstoff herzustellen“ und warnt vor dem Wettbewerb um Nahrung zwischen Autos und Menschen. George Monbiot fordert ein fünfjähriges Moratorium für Biokraftstoffe.
Nach dem Rechtsruck in Frankreich lecken sich Attac-F und die Linke die Wunden. Die Wahl Nicolas Sárkozys “bedeutet in erster Linie den Sieg einer harten und hemmungslosen Rechten, der es gelungen ist, in der Bevölkerung - einschließlich gewisser Teile der ärmeren Schichten - Ideen zu verbreiten, die vor allem den Interessen der Finanzkreise und der wohlhabendsten Gesellschaftsgruppen entsprechen, und auch die wichtigsten Themen der rechtsextremen Parteien in ihr Programm einfließen zu lassen.“ (Attac Fr)




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