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Blut muss fliessen - Undercover unter Nazis

(19.02.2014 - 09:49)


Auf Einladung der "Initiative gegen Rechts" wurde der Film "Blut muss fliessen" als Highlight im Kommunalen Kino (KoKi) Pforzheim gezeigt. Der Film zeigt die akribischen und mutigen Recherchen des Journalisten Thomas Kuban in der europäischen Neonaziszene. ": Thomas Kuban, der zu seinem eigenen Schutz nur unter diesem Pseudonym auftritt, hatte sich seit Mitte der 1990er-Jahre auf Undercover-Recherchen spezialisiert. Nähere Angaben zu seiner Person sind nicht bekannt. Bei öffentlichen Auftritten bedient Kuban sich aus Sicherheitsgründen stets einer Verkleidung mit "senfgelber Jacke, blonder Perücke, Bart und Sonnenbrille", um unerkannt zu bleiben.


Seit Anfang der 2000er-Jahre arbeitet Kuban bei seinen Recherchen mit einer verdeckten Filmkamera in Form einer digitalen Miniaturkamera, die er als "Knopflochkamera" unter seiner Kleidung versteckte. Seine Filmbeiträge erschienen in verschiedenen Fernsehmagazinen in Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz, darunter Spiegel TV und Stern TV. Außerdem schrieb er Reportagen für die Süddeutsche Zeitung, das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel "und andere Medien.

 

Kuban recherchierte seit Mitte der 90 er-Jahre bis 2011 in der rechtsradikalen Musikszene und besuchte dazu zahlreiche Rechtsrock-Konzerte in Deutschland und im europäischen Ausland. So auch in der Partnerstadt von Pforzheim, in Hoyerswerda. .. Dabei filmte er heimlich "Nazi-Rockkonzerte", die in einem konspirativen abgeschotteten Milieu von Neonazis veranstaltet wurden. Viele solcher Konzerte wurden durch das verbotene Netzwerk Blood and Honour, Division 28, aber auch der NPD und deren Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten organisiert. In der Regel kam es bei den Konzerten zu Straftaten, meist in Form von Volksverhetzung. So zeigt der Film auch Konzerte in der Schweiz, wobei dort Strafverfahren gegen Beteiligte wegen Volksverhetzung immer noch nicht abgeschlossen sind.

Die Liedtexte der Neonazibands wie z.B. Störkraft sind meist gegen Juden, Türken, Homosexuelle und Muslime gerichtet, aber auch andere Gruppen wie z.B. Pfarrer und Linke werden darin übel diskriminiert. Im Film wurde auch deutlich, dass die NS-Zeit noch nicht vorbei ist, wenn z.B. in Ungarn ungestraft nachfahren der faschistischen Pfeilkreuzler ungestört öffentlich auftreten können. Gleiches gilt auch für Italien, wo sich ein neofaschistischer römischer Bürgermeister öffentlich mit Gleichgesinnenten zeigt, Liga Nord und Co. werben offen mit Rassismus als Lösungsansätze für vorhandene Probleme wie z.B. Einwanderung (Lampedusa).

Es wurde auch kritisiert, dass bei uns die meist geheimen Konzerte durchaus bekannt sind, nicht immer von der Staatsgewalt verhindert werden, Veranstaltungen oft als "Kulturbeitrag" verniedlicht werden..Und auch Internetshops wurden gezeigt, wo man sich als Sympathisant mit den entsprechenden Accecoires und NS-Devotionalien eindecken kann. Linke Hacker hatten die Homepage der NS-Shops angegriffen und aufgezeigt, dass hier "richtig Geld gemacht wird.."

,Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit zuleisten

Interessant und eigentlich entlarvend waren sein Versuche, bei der Bundespressekonferenz ein Interview mit

Dr. Wolfgang Schäuble zu erhalten, was nicht genehmigt wurde. Oder auch in Bayern mit Innenminister Dr. Günther Beckstein, der die Gefahr wohl eher bei den Islamisten oder den Linken sieht?

Als nächstes Projekt ist ein Film über die NSU-Mordserie und das versagen des Staates in Vorbereitung, wenn die Finanzierung gesichert ist, sagte der anwesende Filmemacher Peter Ohlendorf, der aus Solidarität mit Thomas Kuban in der gleichen gelben Jacke wie der Journalist auftrat. Denn öffentliche Mittel für diese Filme fliessen nur sehr spärlich oder gar nicht, was an die Anfänge der Arbeit des bekannten Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff ("Der Aufmacher") erinnert. Es sei wichtig, dass sich gesellschaftlicher Widerstand endlich formiert, auch, dass es Unterstützung für Jugendzentren gibt, hier wurde die vom Abriß bedrohte Alte Fabrik in Pforzheim genannt. . In der anschliessenden Diskussion wurde auch auf die lokale Situation mit der Fackelmahnwache der Neofaschisten in Pforzheim am 23.2. hingewiesen,: " 20 Polizisten pro Nazi, " meinte ein Diskutant ironisch. Auch die volksverhetzenden Texte hatten ihre Wirkung gezeigt, die Zuschauer waren geschockt von der Infamie der Liedtexte. Das "Koki" war nicht voll besetzt, man hätte sich noch mehr Publikum gewünscht, auch mehr Stadträte aus dem Gemeinderat. Thomas Kuban wurde inzwischen auch mit der Georg-Elser-Medaille der Stadt München ausgezeichnet. Der Schreiner Georg Elser , aus Württemberg stammend, hatte versucht, den Diktator Adolf Hitler in München mit einer selbstgebauten Bombe zutöten , was misslang. Bei einem Fluchtversuch in die Schweiz wurde er gefasst und später als persönlicher Gefangener des "Führers " vor Kriegsende ermordet. Es stände der Reuchlinstadt Pforzheim gut an, eine Strasse nach Elser zu benennen, gleiches gilt auch für die Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe "Weissen Rose", die Geschwister Scholl"..

Weitere Infos zum Film : www.filmfaktum.de




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