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Politik

Bundespräsident Joachim Gauck entschuldigt sich für das Massaker von St . Anna di Stemezza

Bild: Italienische Zeitungen berichtet ausführlich über den Besuch des Bundespräsidenten in St. Anna (Foto: R. Neff)

Italienische Zeitungen berichtet ausführlich über den Besuch des Bundespräsidenten in St. Anna (Foto: R. Neff)

Das Massaker von Sant Anna/Italien durch Soldaten der 16. SS-Panzergrenadierdivision \"Reichsführer SS". Hintergrund: Am Morgen des 12. August 1944 stiegen vier Kompanien der SS in das abgelegene Bergdorf Sant Anna auf und massakrierten jeden, der angetroffen wird: vor allem Kinder, Frauen, alte Männer . Sie verbrennen die Leichen und die Häuser. Insgesamt 560 Tote, alle werden grausam massakriert, es bleibt ein ausgelöschtes Dorf. Nur wenige Einwohner haben das Morden überlebt, sie mussten mit ansehen, wie die Mutter, die Geschwister umgebracht wurden. Einer der Täter war Ludwig Göring aus Ittersbach bei Pforzheim, der geschossen haben soll, "bis der Patronengurt leer war. " Rund 180 Menschen, vorwiegend Männer, die vor Beginn der Aktion geflüchtet waren, überlebten das dreistündige Massaker.
Zehn der früheren SS-Angehörigen wurden in Abwesenheit zu lebenslanger Haft sowie Entschädigungszahlungen in Höhe von etwa 100 Millionen Euro verurteilt. Die deutsche Staatsanwaltschaft hat diese Verurteilung nie anerkannt. Nach eigenen, parallel laufenden Ermittlungen sei den siebzehn Beschuldigten, wovon heute überhaupt nur noch wenige am Leben sind, eine strafbare Beteiligung an dem Massaker in Sankt Anna di Stazzema nicht nachzuweisen? Das Ermittlungsverfahren wurde daher von der Staatsanwaltschaft Stuttgart am 1. Oktober 2012 eingestellt, was für große Empörung in Italien sorgte. Staatspräsident Giorgio Napolitano drückte damals sein „tiefes Bedauern über diese schockierende Urteilsbegründung“ aus. Der zuständige Oberstaatsanwalt Bernhard Häußler war schon mehrfach in der Kritik, so auch wegen des Polizeieinsatzes beim sogenannten schwarzen Donnerstag oder beim ENBW-Deal.

Der Bundespräsident traf sich nun Ende März 2013 bei der Gedenkstätte für die Opfer des SS-Massakers mit dem ehemaligen italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano und entschuldigte sich bewegt für das Verbrechen, dass hier in deutschem Namen angerichtet wurde. Auch die Nichtverfolgung durch deutsche Behörden kam zur Sprache, es gibt aber auch eine geschichtliche und moralische Veranwortung für solche grausame Taten. Das Verbrechen in Italien reiht sich ein in eine lange Reihe von Massakern wie in Rom (335 Tote) Oradour (Frankreich) über Lidice (CSSR) , Warschauer Ghetto usw. Eine wichtige Aktion, ähnlich wie der Kniefall von Willy Brandt einst beim Besuch in Polen.
In der Onlineausgabe der "Pforzheimer Zeitung" vom 24.3. 2013 war nur ein knapper DPA-Artikel zu lesen, am darauffolgenden Montag im Printmedium keine Zeile mehr . Obwohl bundesweit viele wichtige Zeitungen über das geschichtlich wichtige Ereignis berichtet hatten. Warum wohl?
Offenbar hatte die Chefredaktion den Vorgang offenbar wegen "lokaler Befindlichkeiten" zum "Tabuthema" erklärt und eine Berichterstattung im "vorauseilenden Gehorsam" darüber verhindert ?
Hintergrund könnte auch ein Streitfall Anfang 2013 über die Verwendung eines Ausspruchs in einem Flugblatt gegen die Nazis von Joachim Gauck durch örtliche Antifaschisten anlässlich der traditionellen Nazifackelmahnwache am 23. 2. 13 (Tag der Zerstörung Pforzheim 1945 durch Alliierte Bomber) gewesen sein. " Wo ihr auftretet, werden wir Euch entgegentreten".
Der Aufruf, den u.a. die Grüne Jugend verteilte, wurde von der Polizei auf Betreiben der Staatsanwaltschaft Pforzheim beschlagnahmt, es wurde gegen Verantwortliche der Initiative gegen Rechts zuvor bereits Anzeige erstattet. "
Welchen Stellenwert hat der Bundespräsident in Pforzheim?
(Quelle u.a. wikipedia)

30.03.2013

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