Rubrikübersicht | Impressum | 25. Januar 2026


Leserbriefe

Taskforce: keine Inbetriebnahme auf dem Rücken der Fahrgäste

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 Umwelt- und Verkehrsverbände lehnen weitere Zumutungen ab.
Noch bis zum 18. Juli laufen die Beratungen der S21-Taskforce, die wichtige offene Punkte im Zusammenhang mit der geplanten Inbetriebnahme des neuen Stuttgarter Tiefbahnhofs im Dezember 2026 klären soll. Hinter verschlossen Türen entscheiden die Beteiligten dabei über Wohl und Wehe von Millionen Menschen, die auf einen funktionierenden Bahnverkehr in und um die Landes-hauptstadt angewiesen sind. Drei Wochen vor Abschluss der Beratungen fordern die Umwelt- und Verkehrsverbände BUND, ProBahn, VCD und LNV in Baden-Württemberg sowie die Mobilitätswende-allianz von der Taskforce eine klare Prioritätensetzung zu Gunsten von Fahrgästen, Klima und Umwelt. Sie sorgen sich besonders um die Betriebsstabilität im Bahnknoten Stuttgart während der letzten Bauphase und zur geplanten Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs Ende 2026. Gemeinsam plädieren sie für eine geordnete und beherrschbare Inbetriebnahme in mehreren Schritten, um offene Fragen etwa zum fehlenden Abstellbahnhof oder der Gäubahnanbindung zu klären. Aus Sicht der Verbände braucht es dafür unter anderem einen realistischen, öffentlichen, kontinuierlich aktualisierten Zeit-plan für die Fertigstellung der Infrastruktur - inklusive aller Stellwerke und Weichen. Martin Bachhofer, Landesgeschäftsführer BUND Baden-Württemberg: „Für einen sicheren und zu-verlässigen Betriebsstart muss die Inbetriebnahme schrittweise erfolgen, mit ausreichend Spielraum für Tests und Nachbesserungen. Die Betriebsabläufe sind komplex. Mit der für Stuttgart weiterentwickelten Leit- und Sicherungstechnik ETCS betreten wir technisches Neuland - das verlangt Sorgfalt, nicht Hast. Es geht schließlich um das Rückgrat der alltäglichen Mobilität für Millionen Pendler*innen und Reisende." Wolfgang Staiger, Vorsitzender PRO BAHN Region Stuttgart: „Der Zug- und S-Bahnverkehr in der Region Stuttgart muss jederzeit stabil und verlässlich sein. Fahrgäste brauchen Planbarkeit - spontane Ausfälle, kurzfristige Sperrungen und unübersichtliche Ersatzkonzepte sind nicht länger hinnehmbar. Sie führen zu Frust und treiben die Menschen zurück ins Auto. Wir fordern: kein Bahnchaos, keine zeitraubenden Umstiege! Eine frühzeitige Kommunikation und ein stabiler Betrieb müssen im Mittel-punkt stehen." Ein besonders kritischer Punkt bleibt die Anbindung der Gäubahn an den Hauptbahnhof. Die Ver-bände fordern, die Verbindung über die Panoramastrecke bis zum Kopfbahnhof für einen flexiblen Übergangszeitraum zu erhalten - auch über die Inbetriebnahme von S21 hinaus. Gero Treuner, Vorstand VCD Baden-Württemberg: „Die Gäubahn-Anbindung bietet doppelte Sicherheit: als Rückfallebene bei Startschwierigkeiten im neuen Tiefbahnhof und als Ausweichroute für die S-Bahn während der Stammstreckensperrungen der nächsten Jahre. Das schafft Stabilität gerade in der Übergangszeit. Auch eine spätere Verschwenkung der Gleise in Bad Cannstatt würde helfen, die Komplexität der Inbetriebnahme zu reduzieren". Stefan Frey, LNV: „Unabhängig davon, wie man zu Stuttgart 21 steht: Das Projekt hat es nicht verdient, in der sensiblen Inbetriebnahmephase mit gravierenden Nachteilen für die Fahrgäste belastet zu werden." Romeo Edel, Sprecher Mobilitätswendeallianz Baden-Württemberg: „Bei leider weit mehr als 100 Störfällen im Jahr auf den S-Bahnstrecken ist es schlichtweg unzumutbar und auch nicht bewältigbar, wenn zum Beispiel in der Hauptverkehrszeit tausende von Pendler*innen an irgendeiner S-Bahnstation in die Fahrzeuge der SSB umsteigen sollten." Zudem ist aus Sicht der Verbände längst nicht sicher, dass der neue Bahnhof mit den geplanten Zug-zahlen zurechtkommt. Erst wenn alle Zuläufe angebunden sind, lässt sich realistisch beurteilen, ob die Bahnsteige und Gleise ausreichen, um den Bedarf dauerhaft zu decken. Zentrale Forderungen der Umwelt- und Verkehrsverbände an die S21-Taskforce:
    Transparenz: klare und frühzeitige Kommunikation bei Baustellen, Sperrungen und Änderungen im Betriebsablauf.
    Schrittweise und belastbare Inbetriebnahme: genügend Zeit für Tests, möglichst wenig Sperrungen und Einschränkungen im Zugverkehr, stabile Einführung des neuen Betriebskonzepts und der Leit- und Sicherungstechnik.
    Infrastruktur flexibel denken:
    Spätere Verschwenkung der Gleise in Bad Cannstatt mit übergangsweiser Erreichbarkeit des Kopfbahnhofs ernsthaft prüfen.
    Erhalt der Gäubahn-Anbindung an den Kopfbahnhof für einen flexiblen - bei Bedarf auch längeren - Übergangszeitraum.
    Keine Kappung der Gäubahn, bevor eine alternative Anbindung (z.B. über den Pfaffensteigtunnel) in Betrieb genommen worden ist.
    Feste Zusage zum langfristigen Erhalt und Betrieb der Panoramastrecke 
Hintergrund Die Taskforce zu Stuttgart 21 wurde nach der Lenkungskreissitzung am 19. Mai 2025 eingerichtet. Sie soll wichtige offene Punkte im Zusammenhang mit der geplanten Inbetriebnahme des neuen Tief-bahnhofs im Dezember 2026 bis zu einer Sondersitzung des Lenkungskreises am 18. Juli klären - ins-besondere bei der Installation der neuen Leit- und Sicherungstechnik, aber auch bei der Koordination notwendiger Streckensperrungen sowie der zukünftigen Anbindung der Gäubahn. Beteiligt sind die Deutsche Bahn und ihre Projektpartner - das Land Baden-Württemberg, die Landeshauptstadt Stuttgart und der Verband Region Stuttgart. Die Umwelt- und Mobilitätsverbände VCD, BUND, LNV und Pro Bahn setzen sich seit langem für Ver-besserungen beim Projekt S21 ein, für Fahrgäste, Klima und Umwelt. Besonderes Anliegen ist ihnen der dauerhafte Erhalt einer umsteigefreien Anbindung der Gäubahn an den Stuttgarter Hauptbahn-hof. Dieses Ziel verfolgen sie auch auf dem Rechtsweg. 
Gemeinsame Pessemitteilung von BUND, ProBahn, VCD und LNV in Baden-Württemberg Umweltverbände zu S 21-c

28.06.2025

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