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Dauerbrenner

Denkmal der Pforzheimer "Euthanasie"-Opfer des deutschen Faschismus der Öffentlichkeit übergeben

Bild: v.l.: Gerhard Brändle, Vortragende, OB Gert Hager, Schüler der AKS, Pfarrer a.D. ´Hans Ade

v.l.: Gerhard Brändle, Vortragende, OB Gert Hager, Schüler der AKS, Pfarrer a.D. ´Hans Ade

Erfolgreiches Kooperationsprojekt der Initiatoren Gerhard Brändle und Hans Ade  "Namen, nicht Nummern "...

Die Jahrelang andauernde mühsame, detailgetreue Recherche und Suche in Bibliotheken, Bundesarchiven, KZ-Gedenkstätten und Tötungseinrichtungen nach den Pforzheimer Opfern der 'Euthanasie Morde' der Nazis, unter den zu einer namenlos gewordenen Masse von zwischen 200.000 und 350.000 getöteten Menschen, führten den pensionierten Lehrer Gerhard Brändle und den Pfarrer i.R. Hans Ade dazu  232 Pforzheimerinnen und Pforzheimer ihre Namen und damit ihre Würde zurückzugeben. Am vergangenen Sonntag Nachmittag wurde das Denkmal würdevoll der Öffentlichkeit übergeben.
Eine kurze eröffnende Rede hielt die Leiterin der Pestalozzi Schule, Frau Ehrler-Kilian, gefolgt von dem einstimmenden Lied 'Read all about it', dessen Text sie auf deutsch sprechend vortrug begleitet vom Chor und der Band der Schule. Oberbürgermeister Gerd Hager begrüßte das anwesende Mitglied des Landtags und die Stadträte namentlich. Vertreten waren ebenso: Die Dekanin der ev. Kirche, die jüdische Gemeinde Pforzheim, Ehrenbürgerin Christa Mann mit Ehemann, DGB, Kreisvorstand Bündnis 90/ Die Grünen, ver.di, der Bundestagskandidat der Partei Die Linke, VVN-BdA KV Karlsruhe und KV Pforzheim.  
Das Sujet seiner Rede - im Zusammenhang mit dem menschenverachtenden 'Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses' vom 14. Juli 1933, das Zwangssterilisierungen juristisch und medizinisch in Folge der 'Notverordnung' erst möglich machte  - beschäftigte sich mit der Kernfrage 'Was heißt krank ?' Es kreiste um die Ausschluss Mechanismen der Nazis: politisch, rassisch, gesundheitlich, arbeitsfähig und 'schädlich' also um jene Menschen, die mit diesen Attributen von der Nazi Propaganda stigmatisiert  wurden. Er hob die Berufsgruppen der Ärzte und Wissenschaftler hervor ohne die dieser entsetzliche Massenmord in den Tötungsanstalten: Grafeneck Württemberg, Brandenburg, Hartheim bei Linz, Sonnenstein bei Pirna, Bernberg a.d. Saale und Hadamar bei Limburg nicht möglich gewesen wäre. Die Tötungen erfolgten durch Injektionen, Kohlenmonoxid oder in zu Gaskammern umgebauten Duschräumen. Die grausame Mithilfe von Pforzheimer Ärzten und Pflegepersonal gipfelte in der Erwähnung der 'Karriere' des ehemaligen Schülers des Pforzheimer Reuchlin Gymnasiums Dr. Herbert Linden, der im Reichsgesundheitsamt und später im Reichsministerium des Inneren Referat 'Gesundheitswesen und Volksgesundheit' die Weichen für die Morde stellte.
Der Rede folgte die Enthüllung des Denkmals durch die Initiatoren und durch den Oberbürgermeister. Gerhard Brändle betonte in seiner Rede, das zu den Ursachen aus medizinischen Gründen ermordet zu werden, es genügte jüdischen Glaubens zu sein oder aber zu den Sinti und Roma zu gehören, 'schwarzer' Hautfarbe zu sein, an Blindheit zu leiden, taub zu sein oder an einer Hautkrankheit erkrankt zu sein - in mindestens einem Fall genügte es unter Schwangerschaftsbeschwerden zu leiden, um in die Tötungsanstalten transportiert zu werden. Auch Brändle ging explizit auf die Schreibtischtäter ein, die im Gesundheitsamt in der Bahnhofstrasse 22 ihre Büros hatten.
Pfarrer Hans Ades Worte galten der Hoffnung trotz des nicht fassbaren Verrats von Nachbarn und Blockwarten, der zur Einweisung in Anstalten und dann zum Transport in Tötungseinrichtungen führte; „Pforzheimer Bürger nahmen Pforzheimer Bürgern das Leben." Hoffnung schöpft er aus dem Buch Jesaia (56.3-5) - verehrt von Juden, Christen und Moslems gleichermaßen -.
Die Namen der 232 Opfer wurden von zwei ehemaligen Schülern der Osterfeldschule, Vertreterinnen und Vertreter des Kappelhof (Caritas) und der Lebenshilfe Pforzheim / Enzkreis vorgetragen. Die Mauer an der die kupfernen Platten angebracht wurden errichteten Azubis der Bau Innung; Studenten der Hochschule Pforzheim beteiligten sich an dem Kooperationsprojekt  durch die Kupferschmied Arbeiten. Mitwirkende waren ebenso Schülerinnen und Schüler der Alfons Kern Schule. Das Denkmal wurde durch Spenden von Vereinen, Firmen und privat Personen finanziert.
„DEIN NAME IST DIR VERLORENGEGANGEN
Dein Name ist dir verlorengegangen
aber die Welt eilt herzu
und bietet dir schöne Auswahl an
Du schüttelst den Kopf
aber dein Geliebter
hat dir einmal die Nadel im Heuhaufen gefunden
Hörst du: er ruft dich schon -" Nelly Sachs   
           (Fnie)
Quellen:
1. Stadt Pforzheim, Kulturamt, Evangelische Kirche Pforzheim, Ade, Hans (Hrsgs),
    Brändle, Gerhard, Ade, Hans und Margarete,'Namen, nicht Nummern - „Euthanasie - Verbrechen
    der Nationalsozialisten an Menschen aus Pforzheim', Dokumentation, Pforzheim, 2013; 
2. http://deutschsprachigedichtung.blogspot.de/2008/09/nelly-sachs-dein-name-ist-dir.html ;
3. http://www.documentarchiv.de/ns/erbk-nws.html ;
4. Jäckel, E., Longerich, P., Schoeps, J.(Hrsg), 'Enzyklopädie des Holocaust - Die Verfolgung und
   Ermordung der europäischen Juden', München Zürich 1998;

 

 

 

 

 

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