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Rechte Schlagseite bei den Anthroposophen in Baden-Württemberg ?

Bild: Auch in der

Auch in der

JF-Kleinanzeige


Eine kleine Anzeige in der aktuellen Ausgabe der ultrarechten Wochenzeitung „Junge Freiheit" (JF) kündigt an, dass am Wochenende vom 2. und 3. Februar der rechte Historiker Dr. Stefan Scheil in Pforzheim referieren soll. Was steckt dahinter?

 

„Wie ein Nationalist Waldorflehrer sein kann, wurde ich später immer wieder gefragt.

 Die Frage müßte andersherum lauten: Wie kann man als Linker Waldorflehrer sein? Denn angefangen von einer gelebten Autorität bis hin zum ganzheitlichen Lernen und der Vermittlung der eigenen Kultur hat die Reformpädagogik und insbesondere Rudolf Steiner Impulse gegeben, die heute längst noch nicht verwirklicht worden sind."
(Andreas Molau, damals ein extrem rechter Funktionär, inzwischen aus der rechten Szene ausgestiegen)  

Wer auf die, in der JF-Kleinanzeige angegebene, Homepage klickt kommt auf eine Seite, die sich die 1974 gegründete „Aktion für Biologische Medizin e.V." und die „Freie Anthroposophischen Vereinigung Pforzheim" (FAV) teilen.
Die FAV war schon zuvor mehrfach durch ihre rechten Umtriebe aufgefallen. So fand am Wochenende vom 9. und 10. Oktober 2010 in Pforzheim eine Tagung der FAV statt, bei der neben dem Unternehmensberater Michael Schreyer auch der Rechtsaußen-Aktivist und -Autor Bruno Bandulet (u.a. im Kopp-Verlag) über „Die letzten Jahre des Euro - Die Dämonie des Geldes" referierte.
Auf der Homepage der FAV findet sich auch ein Text aus der „Jungen Freiheit" 52/2007 vom JF-Stammautoren Fabian Schmidt-Ahmad über eine Fachtagung der FAV zum "politischen Wirken des geistigen Urvaters Rudolf Steiner [...], welche Ende November in Pforzheim stattfand". In diesem Bericht wird positiv Steiners deutschnational-politische Haltung hervorgehoben.
Die nun für das Wochenende vom 2. und 3. Februar angekündigte Wochenend-Tagung trägt den Titel „Wege zur Einbindung Europas in Amerikas Geo-Strategie". Referent bzw. Referentin ist eine Friederike Beck und der bereits benannte Dr. Stefan Scheil. Stefan Scheil, Jahrgang 1963, gilt als JF-„Hofhistoriker" und ist Träger des rechten Gerhard-Löwenthal-Preises für Journalisten 2005 der JF. Er versuchte als Gutachter in einem Prozess um die Bewertung des deutschen Kolonialfunktionären von Lettow-Vorbeck in Hannover 2011 diesen durch ein Gutachten posthum einen Persilschein auszustellen. Beiträge von Scheil finden sich in dem braunen Geschichtsblatt „Deutsche Geschichte", in der extrem rechten „Deutschen Militärzeitschrift" oder in der „Konservativen Deutschen Zeitung", aber auch in der gutbürgerlich-konservativen „Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Als Referent trat er auf für den extrem rechten Sudholt-Verlag, die rechtslastige „Staats- und Wirtschaftspolitische Vereinigung", das neurechte „Institut für Staatspolitik" oder auf dem „Schlesienseminar" der extrem rechte Burschenschaft der Raczeks zu Bonn.

*** immer wieder Rechtes und Reaktionäres bei den Anthroposophen im Ländle ***
Eine rechte Schieflage kennzeichnet offenbar nicht nur die Anthroposophen in Pforzheim, sondern auch anderswo in Baden-Württemberg. So fand am 3. und 17. Juni 2012 in Stuttgart im Satyagraha-Zentrum ein Seminar mit dem bezeichnenden Titel „Zur Geschichte der geistigen Mission des Deutschtums" statt. Referent war ein Herwig Duschek aus Fellbach. Duschek, Jahrgang 1956, ist ein Waldorflehrer, Heilpädagoge, Heileurythmist und Heilpraktiker.
Das esoterische Satyagraha-Zentrum in Stuttgart-Feuerbach diente übrigens offenbar immer mal wieder als Veranstaltungsort für rechte und reaktionäre Events. Am 12. Mai 2009 fand hier der Vortrag „Deutschland unter Fremdverwaltung" statt, der von Personen aus dem extrem rechten Reichsbürger-Spektrum abgehalten und organisiert wurde. Am 20. Mai 2010 referierte hier außerdem der Querfront-Mann Jürgen Elsässer zum Thema „Kommt Das Ende des Euro?" für den örtlichen Stammtisch der „Volksinitiative gegen das internationale Finanzkapital".

Auch in der reaktionäre Euro- und EU-Kritik versuchen sich bekennende Anthroposophen. Am 22. November 2012 fand in Stuttgart im Rudolf-Steiner-Haus im Fichtesaal der Vortrags- und Diskussionsabend „ESM und Euro-Rettungspolitik als Mittel zur Entmündigung Europas - eine Betrachtung aus anthroposophischer Perspektive" mit dem Referenten Herbert Ludwig aus Pforzheim statt. Veranstalter war das „Aktionsbündnis Direkte Demokratie", was versucht wohlstandschauvinistischen Protest gegen den ESM zu initiieren und hinter dem sich die rechtslastige und marktradikale Minipartei „Partei der Vernunft" versteckt. Der Referent und Waldorflehrer Herbert Ludwig ist übrigens einer der Verantwortlichen hinter der „Freien Anthroposophischen Vereinigung Pforzheim".

Generell ist es heikel, wenn die Anhänger*innen des Reaktionärs, Rassisten und Esoterikers Rudolf Steiner sich in politische Gefilde vorwagen. Besonders wenn die Protagonisten vom rechten Anthroposophen-Flügel stammen. Denn generell ist eine extrem rechte Interpretation der Anthroposophie möglich. Das hat auch der Marxist Ernst Bloch erkannt, als er schrieb: 
„Aus aller Herren Länder werden derartige Dunkelheiten geholt, besonders aus der eigenen Vorzeit. Man bezieht Masken, durch die der Träger chloroformiert; oft auch nur Räucherei, die die Kleinen benebelt, die Großen einnebelt. Alte Weiber beiderlei Geschlechts, Adel und Kleinbürger, kurz sinkende Klassen bevölkern besonders Steiners Welt; sie ist die verbreiteste und unreinlichste. Offenbar verhindert nur der starke Anteil anderer Länder an der anthroposophischen Bewegung, daß diese geschlossen zu Hitler übergeht. Nicht nur die sozialen Dilettantismen (»Dreigliederung«) machen sie dazu tauglich, auch die »Wesenheit Michael« in ihrer Mitte. Welcher Steiner die Herrschaft des nächsten Zeitraums übergibt; sie wäre trotz ihres hebräischen Ursprungs, dem deutschen Michel desto leichter verbindbar, als dieser ja keine Mythisierung bei den Nazi gefunden hat."  
(Ernst Bloch: Erbschaft dieser Zeit. Gesamtausgabe Bd.4, Frankfurt/M., 1935, Seite 129)

Verfasst von: Antifa-Recherche-Team Baden-Württemberg. Verfasst am: 26.01.2013 - 11:42.

Quelle: www.indymedia.org

 R E A K T I O N

Eine erste Reaktion gab es bereits von WiP Wir in Pforzheim, die die Veranstaltung wohl ohne Kenntnis der Materie auf der Homepage veröffentlicht hatten und sofort wieder nach bekannt werden gelöscht haben.

Auch die rechtslastige JUNGE FREIHEIT kommentierte das ganze nun auf ihrer Homepage:

 

Anthroposophen sagen Tagung nach Druck von Antifa ab

 

Stefan Scheil: Der Historiker ist der linksextremen Antifa ein Dorn im Auge Foto: Visiomedia

PFORZHEIM. Die Freie Anthroposophische Vereinigung Pforzheim hat nach massiven Drohungen von Linksextremisten eine Veranstaltung mit dem Historiker Stefan Scheil abgesagt. Man habe sich entschieden, die für das Wochenende geplante Tagung nicht abzuhalten, sagte Herbert Ludwig, Vorstandsmitglied der Vereinigung, der JUNGEN FREIHEIT.

Ursprünglich sollte Scheil, der unter anderem als Autor und Kolumnist für diese Zeitung tätig ist, zum Thema „Wege zur Einbindung Europas in Amerikas Geo-Strategie" referieren. Sein aktuelles Buch „Transatlantische Wechselwirkungen: Der Elitenwechsel in Deutschland nach 1945" war im vergangenen Jahr bei „Duncker & Humblot" erschienen.

Gegen die Veranstaltung hatte jedoch die linksextreme Antifaschistische Initiative Pforzheim protestiert. In einem Offenen Brief forderte die Gruppierung die Anthroposophen auf, die Veranstaltung „umgehend abzusagen". Scheil verbreite eine „geschichtsrevisionistische Ideologie", begründeten die Linksextremisten ihre Forderung. Davon müsse sich die Anthroposophische Vereinigung distanzieren. „Falls die Veranstaltung nicht abgesagt wird, müssen wir das eben selber in die Hand nehmen. Geschichtsrevisionismus bekämpfen - auf allen Ebenen, mit allen Mitteln!", drohte die Gruppierung offen.

„Der Mob der Straße hat sich durchgesetzt"

Nachdem die Regionalpresse die Drohungen und die Kritik der Antifa aufgegriffen hatte, forderte auch die Anthroposophische Gesellschaft, von der die Freien Anthroposophen die Räumlichkeiten für ihre Tagung gemietet hatten, die Veranstalter auf, sich von Scheil zu distanzieren. Dies lehnten die Freien Anthroposophen aber ab. Aufgrund der linksextremen Drohungen und der sich daraus ergebenden Kündigung der Räumlichkeiten entschlossen sich die Freien Anthroposophen jedoch, die Tagung abzusagen. 

„Der Mob der Straße ist so stark, er kann sich überall durchsetzen", erläuterte Ludwig die Entscheidung gegenüber der JF. Dies führe dazu, daß das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung immer wieder ausgehebelt werde. „Wenn Veranstaltungen aus Angst abgesagt werden müssen, wo bleibt dann dieses Grundrecht?"

Lobende Worte fand Ludwig dagegen für die Polizei. Diese habe sich äußerst korrekt verhalten und zugesichert, die Veranstaltung mit ausreichenden Kräften zu schützen, wenn sie denn stattfände. Allerdings hätten die Beamten darauf hingewiesen, daß sie nicht dafür garantieren könnten, daß das Veranstaltungsgebäude nicht zu einem späteren Zeitpunkt Ziel linksextremistischer Attacken werde. Dies habe dann mit zu der Entscheidung geführt. (krk)

 

 

 

 

05.02.2013

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