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3. Mai 2009. Tag der Pressefreheit

 ROG zum Internationalen Tag der Pressefreiheit:

Ohne Pressefreiheit bleiben
Opfer unsichtbar / Kampagnenstart mit Protestaktion am 2. Mai in Berlin

Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai lenkt Reporter ohne
Grenzen (ROG) den Blick auf die "Leerstellen", die entstehen, wenn Medien
nicht frei berichten dürfen. Mit der neuen Kampagne "Ohne Pressefreiheit
bleiben Opfer unsichtbar" stellt ROG die Folgen von Zensur, Verfolgung von
Journalistinnen und Journalisten und Angriffen gegen Medien in den
Mittelpunkt.
Mit einer Protestaktion vor dem Brandenburger Tor am 2. Mai (Bildtermin 11
Uhr) zeigt ROG, was es heißt, wenn Berichterstattung unterdrückt wird. Es
wird eine Käfig-Installation zu sehen sein, darin: Menschen in
Notsituationen, die kein Gesicht mehr haben - wehr- und namenlose Opfer.
"Korruption, Amtsmissbrauch, religiöse, ethnische oder sexuelle Verfolgung
von Menschen - viele Verbrechen bleiben im Dunkeln, wenn niemand den Opfern
ein Gesicht und eine Stimme gibt. In Ländern wie Mexiko, Russland, Pakistan
oder Italien setzen Reporter/innen ihr Leben aufs Spiel, wenn sie Missstände
öffentlich machen", so ROG-Geschäftsführerin Elke Schäfter.
"Wir fordern zum Internationalen Tag der Pressefreiheit einen besseren
Schutz von Medien und ihren Mitarbeiter/innen. Auch in Kriegszonen müssen
Journalistinnen und Journalisten ungehindert recherchieren können:
Reporter/innen haben denselben Status wie Zivilisten, das müssen Armeen und
bewaffnete Gruppen respektieren", erklärt Elke Schäfter weiter.
Auf einer neuen zum 3. Mai veröffentlichten Liste der "Feinde der
Pressefreiheit" benennt ROG die 40 repressivsten Akteure und Institutionen.
Darunter sind nicht nur Regierungen, sondern auch paramilitärische und
terroristische Gruppen, Rebellen und kriminelle Netzwerke. Ein Beispiel ist
Mexiko mit den Drogenkartellen in Tijuana, Sinaloa, Ciudad Juárez und der
Golf-Region: Die Hälfte der mindestens 46 seit dem Jahr 2000 in Mexiko
ermordeten Journalistinnen und Journalisten haben zum Thema Drogenhandel und
den dahinter stehenden kriminellen Netzwerken recherchiert.
Auch in Italien geraten Medienmitarbeiter/innen in die Schusslinie, wenn sie
über mafiöse Gruppen berichten. Das Land rangiert deswegen neu auf der
"Liste der Feinde der Pressefreiheit". Zehn Journalistinnen und Journalisten
stehen derzeit unter Polizeischutz.
Das Ausmaß und die Folgen von Menschenrechtsverstößen wie in Sri Lanka,
Afghanistan, Irak oder Somalia sind oft schwer auszumachen, weil unabhängige
Berichterstatter/innen keinen Zutritt zu den Regionen haben. "Ganze
Landstriche sind ‚blinde Flecken der Informationen': Wir können die
Lebenssituation der Menschen nur erahnen", so Michael Rediske,
Vorstandssprecher von ROG. "Besonders dramatisch ist die Situation derzeit
in den pakistanischen Stammesgebieten und der Provinz Belutschistan an der
Grenze zu Afghanistan. Mit vier getöteten Journalisten im Jahr 2009 ist
Pakistan derzeit das gefährlichste Land für Medienmitarbeiter/innen",
erklärt Michael Rediske.
In Konfliktregionen wird es für Journalistinnen und Journalisten immer
schwieriger zu berichten. Informationskontrolle ist zu einem strategischen
Ziel vieler Armeen und bewaffneter Gruppen geworden. Zudem geraten
Medienmitarbeiter/innen schneller in die Schusslinie. Im Irak sind
beispielsweise in sechs Jahren, von 2003 bis 2009, zweimal mehr
Medienmitarbeiter/innen getötet worden (225) als in 20 Jahren Vietnam-Krieg
von 1955 bis 1975 (102).
 "Ohne Pressefreiheit bleiben Opfer unsichtbar.": Das Thema geht uns alle
an. Wenn Journalistinnen und Journalisten nicht berichten können, ist eine
freie Meinungsbildung nicht mehr möglich, gibt es keinen friedlichen
Austausch von Interessen, kann keine stabile demokratische Gesellschaft
entstehen. "Politik und Gesellschaft müssen sich gleichermaßen für das hohe
Gut der Pressefreiheit einsetzen", fordert Michael Rediske.
Weitere Infos zur neuen Kampagne zum 15-jährigen Jubiläum unter:
www.reporter-ohne-grenzen.de/kampagnen-aktionen/kampagne-15-jahre-rog.html
Die vollständige Liste der "Feinde der Pressefreiheit" sowie Fotos der
ROG-Aktion vor dem Brandenburger Tor (Platz des 18. März) werden am 2. Mai,
13.00 Uhr, unter www.reporter-ohne-grenzen.de veröffentlicht.

02.05.2009

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