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NS-Widerstand in Pforzheim

(29.01.2014 - 19:20)


Gerhard Brändle vor dem

Widerstand im NS-Staat


Einen Abend der besonderen Art durften die Zuhörer am 27.01.14, dem Tag der Befreiung des KZ Ausschwitz durch die rote Armee erleben.

 

Im Pavillon des Pforzheimer Rathauses referierte der Historiker und frischgebackene Träger der Hans-Böckler-Medialle des DGB vor ca. 60 Personen über den lokalen Widerstand im III. Reich. Zunächst gab es noch einige Probleme, da nicht genügend Stühle für alle Zuhörer zur Verfügung standen, auch ein wackliger Klapptisch brach als Stuhlersatz zusammen, als Stadtrat Rolf Constantin sich darauf lehnte. Gottlob ist dabei nichts schlimmes passiert..  Eröffnet wurde die Veranstaltung zum 23.2. , dem Tag der Zerstörung Pforzheims durch allierte Bomber durch OB Gert Hager, der auch den Grund des Angriffs in der auf Rüstung umgestellten Traditionsindustries ah, anders als seine Vorgänger..

Gerhard Brändle als Hauptredner spann (mit Hilfe eines Beamers) einen weiten Bogen von kirchlichem Widerstand durch die Zeugen Jehovas als Kriegsdienstgegner und den Adventisten. Auch die Anhänger der bekennenden Kirche später waren im Visier von Gestapo und  SS. weiter ging es mit politischen Gruppen wie der SAP (Sozialistische Arbeiterpartei), die ebenfalls verhaftet und ins Gefängnis/ KZ gesteckt wurden. So auf dem Heuberg in Ulm oder das berüchtigte KZ Ravensbrück.  So gab es auch Widerstand durch enstprechende illegale Publikationen wie dem Vorwärts oder dem Roten Sender aus Mühlacker. Namen wie Rudolf Pöhler oder Emil Bührer sind heute noch auf Pforzheimer Strassenschildern zusehen (leider immer noch die NS-Schriftsteller Emil Strauß und Auguste Supper) . Es gab auch Menschen ,hier die Juden versteckten, wie überall waren es zu wenige.. Auch in der katholischen Kirche gab es in der Basis engagierte Christen , die sich mutig gegen den NS-Staat stellten sowie in der evangelischen Kirche. Wobei diese Pfarrer dann oft keine oder unzureichende Unterstützung von "oben" erfuhren, wurden sie enttarnt und verhaftet. 

Reseau Alliance

Auch die französische Widerstandsgruppe "Reseau Alliance" wurde vorgestellt, die nahe der Fachhochschule für Wirtschaft  brutal gefoltert  (Denkmal) und dort im Wald ermordet (unter Führung des 1946 hingerichteten Tiefenbronner SS-Mannes Julius Gehrum)   und verscharrt wurden.  Es gab auch Pforzheimer, die bereits  vor dem 2. Weltkrieg im Spanischen Bürgerkrieg  auf Seiten der Demokratischen internationalen Allianz gegen Franco und die Legion Condor kämpften . (Auch Pforzheimer waren ja in der faschistischen Legion Condort damals im Einsatz).  Auch gab es Menschen hier, die an ihrem Arbeitsplatz in der Rüstungsfertigung , Teile z.B. von Zündern (Fa. Durowe, Technisches Museum) manipulierten und damit  Sabotage begingen, die den Verursacher ins KZ oder schlimmeres nach  der Aufdeckung  mitsich brachten. * Auch eine Studentin der Kunst- und Werkschule (heute FHG Pforzhem)  wurde wegen Wehrkraftzersetzung verhaftet und interniert. Im Rahmen einer Stolpersteinaktion wollte man hier näheres von der Leitung der bekannten Design-Hochschule erfahren, die  aber offenbar  seit rund neun Monaten nicht auf das Schreiben dazu reagiert.. (Form follows  function?)  Auf unsere persönliche Vorsprache  in der  FHG   wurde uns mitgeteilt, "dass von dem Schreiben (angeblich) nichts bekannt sei, die Pressedame sei  zudem auch erst seit einigen Wochen im Amt..

White Flag:

Zum Schluß des Krieges wurde teilweise z.B. in Königsbach-Stein von Dorfbewohnern die weisse Flagge gehisst, wobei die einrückenden , französischen Truppen dort den Ort fast unzerstört besetzten , es gab auch fast keine Vergewaltigungen. Anders wie in Pforzheim oder gar  Niefern-Öschelbronn, wo fanatisch gekämpft und der Ort damit zerstört wurde.

 Rüstungsproduktion

Auch in Pforzheim und Umgebung gibt es heute wieder Rüstungsfirmen, die Waffenteile oder ähnliches Material herstelln, z.B. Thales oder Euro Avionics.

 

red. Zusatz:

eine NS-Gegnerin war auch die Dillweissensteinerin Ursel  Siegmayer, die als junges Mädchen kriegsverpflichte wurde und  in der Firma Wollf in der Hohenzollernstrasse  die Fertigung sabotierte. Ursel stammte aus einer deutsch-jüdischen Familie, ihr Vater hatte als Künstler (Gipskeramiker) bei den Nazis später Berufsverbot). 

Seine akribischen Forschungsarbeiten hat Gerhard Brändle u.a. auch im†Badischen Landesarchiv in Karlsruhe durchgeführt, wobei er auch das Gefängnisbuch von Pforzheim dazu überprüfte. Hier gibt es noch viel zu tun um auch die Jugend über diese Zeit aufzuklären. Dazu gibt es  auch den Lernort Kislau, Demokratie lernen aus der Geschichte.†www.lernort-zivilcourage.de

Ein Abend, der viele Anwesende nachdenklich nach Hause gingen ließ.. †Und  eigentlich klar macht, dass man immer gegen Ungerechtigkeit Widerstand leisten sollte, wenn es auch nur ein Leserbrief an die lokale Zeitung ist, wenn man selbst nicht auf die Strasse gehen will?

ron




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