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Gedenkfeier in Pforzheim erinnert an die Deportation der badischen Juden nach Gurs

(24.10.2016 - 11:56)


OB Gert Hager bei seiner Ansprache am Kreisel beim ehemalligen Güterbahnhof

Oberbürgermeister Gert Hager erinnerte gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Pforzheim am Sonntag, 23. Oktober 2016, um 15.00 Uhr in einer Gedenkfeier am ehemaligen Hauptgüterbahnhof an die badischen Juden, die vor 76 Jahren, am Tag des jüdischen „Laubhüttenfestes" 5701, am 22. Oktober 1940, von den Nationalsozialisten in das französische Internierungslager Gurs, einem kleinen Dorf am Fuße der Pyrenäen, verschleppt wurden.


Gestaltet wurde die Gedenkfeier vom Chor der Jüdischen Gemeinde und von Rabbiner Michael Jaakov Bar-Lev, der auch ein jüdisches Trauergebet sprach.
Rund 50 Menschen nahmen an der Gedenkfeier teil, darunter u.a. Stadträte, Hans-Ulrich Rülke , MdL, Gerhard Brändle mit Frau, Anwohner und Mitglieder der Initiative gegen Rechts.

186 Personen im Alter zwischen zweieinhalb und 86 Jahren wurden an diesem Tage hier in Pforzheim gezwungen, den Zug nach Gurs zu besteigen - ohne Achtung der Person und gegen ihren Willen. Neun weitere ehemalige Pforzheimer kommen aus umliegenden Städten zum Transport nach Gurs hinzu.
Beispielhaft für die Verschleppten wurde die Pforzheimerin Lore Eckstein erwähnt, ihre Spur verlor sich später , auch für sie wurde am Zaun der Ruine der ehemaligen ZG eine weisse Rose angebracht, zusammen mit vielen anderen, die hier von den Nazis deportiert wurden.
Der OB erwähnte, dass es von seiten der Einheimischen damals wenig Solidarität mit den Juden gab, ermahnte diese für die Gegenwart unserer Gemeinschaft.

Geschichtliches: Das Camp de Gurs
(Quelle: Stadt Karlsruhe)
Das in Südfrankreich in sumpfigen Gelände am Fuße der Pyrenäen gelegene Camp de Gurs war im Frühjahr 1939 zur Internierung der aus Spanien geflohenen Soldaten der Republikanischen Armee und der Freiwilligen der Internationalen Brigaden errichtet worden. Im Oktober 1940 befand es sich unter der Verwaltung der französischen Vichy-Regierung. Die von den nationalsozialistischen Machthabern in der Zeit vom 22. bis 24. Oktober 1940 aus Baden, der Pfalz und dem Saarland verschleppten über 6500 jüdischen Menschen wurden vom Vichy-Regime in das Lager Gurs verbracht

Sie fanden dort unmenschliche Verhältnisse vor. Das Lager war ringsum von Stacheldraht eingezäunt und streng bewacht. Es bestand aus 382 primitivsten, etwa 144 m² großen Baracken, in denen jeweils bis zu 60 Personen untergebracht waren. Das Essen war spärlich, es fehlte an sanitären Anlagen. Viele, vor allem ältere Menschen, starben an Entkräftung, Epidemien oder aus Mangel an Medikamenten, anderen gelang die Flucht. Etwa ein Drittel der nach Gurs verschlepp­ten Juden wurde zwischen 1942 und 1944 in die Vernichtungslager im Osten gebracht. Für sie wurde so Gurs zur "Vorhölle von Auschwitz".
Der Deportiertenfriedhof in Gurs

Auf dem Deportiertenfriedhof befinden sich 1073 Gräber, in denen Opfer des nationalsozialistischen Terrors und einige internierte Spanienkämpfer ruhen. In der Nachkriegszeit hatte der Verband der jüdischen Gemeinschaften des Basses-Pyrénées schon im Jahr 1945 auf dem Friedhof ein Denkmal zur Erinnerung an die Opfer errichtet. Der zunächst noch gepflegte Friedhof verwilderte aber im Laufe der Jahre zusehends. Im Jahr 1957 ergriff der Karlsruher Oberbürgermeister Günther Klotz nach der Veröffentlichung eines Zeitungsberichts über den Verfall des Friedhofs die Initiative zu dessen Instandsetzung und Pflege. Unterstützt wurde er vom Oberrat der Israelitischen Religionsgemein­schaft Baden. Die badischen Städte, Gemeinden und Kreise, aus denen jüdische Bürger nach Gurs deportiert und dort begraben wurden, brachten durch eine Umlage die Gesamtkosten für die Neuge­staltung auf. Der Friedhof, den die Gemeinde Gurs dem Oberrat für 99 Jahre verpachtet hatte, wurde am 26. März 1963 feierlich eingeweiht.

Die fünf badischen Städte Karlsruhe, Mannheim, Freiburg, Heidelberg und Pforzheim gaben die Zusage, die Kosten für die weitere Unterhaltung und Pflege des Friedhofs gemeinsam zu tragen. Die Stadt Karlsruhe behielt die Federführung. In den folgenden Jahren traten auch die Städte Konstanz (1994), Weinheim (1996), Emmendingen (2000), Lörrach und Offenburg (2002), Bruchsal (2008) sowie der Bezirksverband Pfalz (2006) dieser Arbeitsgemeinschaft bei. Die Stadt Baden-Baden leistete seit 2002 einen finanziellen Beitrag und trat 2011 dem Gremium bei. Seit 2015 beteiligen sich die Städte Bühl und Rastatt und ab 2016 auch die Stadt Kuppenheim.




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